Sänger unter Hochspannung

Die Dresdner Musikfestspiele verbinden Wissen mit Musik auf dem TU Campus

Am Rande klassischer Konzertsäle erkunden die Dresdner Musikfestspiele seit 2014 mit „Sound & Science“ auf dem Campus der TU Dresden Verbindungen zwischen Musik und Wissenschaft. Exkurse in die innerste Struktur von Musik zählen ebenso zum Spektrum dieser Reihe wie Fachdiskussionen, die stets von musikalischen Praxisbeispielen gespickt sind. Ein solcher Abend war gestern (5.6.) auch in der Hochspannungshalle im Binderbau (Fotos: Oliver Killig) zu erleben, einem Spielort, der wohl sprichwörtlich zu den spannungsvollsten des Dresdner Klassikfestivals zählt.

Musik gab es gleich zum Auftakt von Opernsängerin Carolina Ullrich, die die Sommerluft, begleitet von Prof. Michael Schütze am Flügel, mit bekannten Opernarien zum Schwingen brachte. Der mit „Faszination Gesang – Die Stimme im Spiegel der Wissenschaft“ überschriebene Abend entpuppte sich schließlich als zündende Mischung aus Talkshow, Konzert und Vorlesung. Wobei Carolina Ullrich zusammen mit dem Dresdner Kammersänger Olaf Bär und Dirk Mürbe, Professor für Phoniatrie und Audiiologie (Stimm-, Sprach- und Hörstörungen), eine gelungene Verbindung aus fachlichem Tiefgang und humorvoller Unterhaltung boten.

Professor Mürbe führte als Moderator gut strukturiert durch den Abend und servierte fundiertes Wissen aus seinem Fachbereich. In einem angeregten Gespräch brachten er und die beiden Sänger den Zuschauern die komplexe Welt der Stimme und des Gesangs locker und auf gut fassliche Art näher. In vier Themenabschnitten tasteten sich die drei von der physiologischen „Funktionsweise der menschlichen Stimme“ über die „Entwicklung der Profistimme“, hin zu „Stimmkontrolle“ und „Genre, Persönlichkeit und Perspektiven“ junger Sänger, womit sich nach zwei Stunden der Kreis zurück zur Musik und dem Klassikfestival schloss.

Während Dirk Mürbe der trockenen Theorie mit Videos und Vergleichen Anschaulichkeit verlieh, plauderte Olaf Bär munter aus des Sängers Nähkästchen – und gestand: „An manchem Morgen wacht man auf und denkt: Heute geht’s gar nicht!“, was Carolina Ullrich wiederum mit einem schallenden, zustimmenden Lachen quittierte. In gesanglichen Intermezzi sorgte die Sängerin mit ihrer klaren, kräftigen Stimme auch klanglich für spannungsvolle Momente an der Uni. So bekamen die Zuschauer in dieser musikalischen Lehrstunde einen erhellenden Einblick in die komplexe Welt der Stimme und des Profigesangs, in der der Körper als Instrument begriffen und gepflegt werden will.

Die nächste Gelegenheit, die Hochspannungshalle der TU Dresden in wissenschaftlicher Aktion zu erleben gibt es übrigens zur Langen Nacht der Wissenschaften am 15. Juni, ab 18 Uhr.

*Die Autorin dieses Beitrags ist Pressereferentin der Dresdner Musikfestspiele, der Artikel entstand dennoch (so wie alle auf dieser Seite) unentgeltlich und unabhängig von dieser Aufgabe.

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