Feuertaufe im großen Saal

Der Pianist Valentin Bedrich bereitet sich auf den ersten Auftritt im Kulturpalast vor

Es ist ein aufregender Moment, als Valentin Bedrich zum ersten Mal die große Bühne im Kulturpalast betritt. Der junge Pianist schaut neugierig in den noch leeren Saal, bevor er ein paar Mal auf und ab geht. Erstmal nur probeweise, um mit dem Raum vertraut zu werden. Am 27. März wird der 18-Jährige hier am Flügel sitzen und mit dem Jungen Sinfonieorchester Dresden George Gershwins „Rhapsody in Blue“ spielen. Dass Valentin Bedrich als Solist beim Absolventenkonzert des Sächsischen Landesgymnasiums für Musik „Carl Maria von Weber“ auftritt, erfüllt ihn mit Stolz – erst recht, weil es das erste Konzert ist, das die jungen Musiker im Kulturpalast bestreiten.

„Ich kannte den Saal bislang nur von Bildern und aus der Perspektive der Zuschauer. Es ist ein tolles Gefühl, selbst auf der Bühne zu stehen. Ich dachte, ich wäre aufgeregter“, sagt er erleichtert. Vom großen Saal geht es in einen kleinen Abstellraum hinter der Bühne, wo Valentin Bedrich eine besondere Unterrichtsstunde erwartet: Er darf sich heute den passenden Konzertflügel aussuchen. Zwei Steinways stehen eng nebeneinander. Der junge Pianist setzt sich zunächst an den vorderen, improvisiert freudig drauflos, ein paar Takte aus Gershwins Stück, zunächst locker dahin gespielt.

„Lass Dein Bauchgefühl entscheiden, welcher Flügel der richtige ist“, gibt ihm seine Lehrerin Mirjana Rajic als Tipp mit an die Hand, bevor sie sich setzt und aufmerksam lauscht. Valentin Bedrich spielt seit der frühen Kindheit Klavier. „Ich habe mit dreieinhalb Jahren damit begonnen, am Piano meiner Eltern Lieder nachzuspielen, später bin ich in die Musikschule gegangen und aufs Landesgymnasium gewechselt“, erzählt er. Gershwins „Rhapsody in Blue“ habe er sich für das Absolventenkonzert selbst ausgesucht. „Ich habe das Stück immer gemocht, es ist locker, jazzig, frei und sehr abwechslungsreich“, sagt Valentin. Genau das Richtige für den ersten Auftritt mit Orchester.

Im Konzert wird es nach Bernsteins Ouvertüre zu „Candide“ erklingen. Neben Valentin Bedrich gibt es zwei weitere junge Solisten: Magdalena Greuner (Flöte) wird mit dem Jungen Sinfonieorchester Dresden unter der Leitung von Wolfgang Behrend Mieczyslaw Weinbergs Konzert Nr. 1 für Flöte und Streichorchester spielen, der junge Bassist Leopold Rucker interpretiert Giovanni Bottesinis Bolero für Kontrabass und Orchester.

Für alle Solisten wird der Abend auch den – zumindest musikalischen – Abschluss ihrer Schulzeit am Landesgymnasium einläuten. Valentin Bedrich möchte danach weiter Musik machen, er will Klavier studieren. „Ich bewerbe mich an mehreren Hochschulen. Ich will es probieren, am liebsten in Salzburg“, verrät er, bevor er wieder zum Spiel ansetzt. Zielstrebig lässt er seine Finger über die Tasten tanzen, immer konzentriert auf den Klang und die Anschlagdynamik des Instruments. So richtig zufrieden ist er mit dem ersten Flügel noch nicht. „Er klingt ein wenig dumpf“, sagt Valentin und probiert sofort den zweiten aus.

Wenig später ist die Entscheidung gefallen: Der zweite Steinway hat ihn und auch seine Lehrerin schnell überzeugt. Er klingt klarer, wird die perlenden Läufe in Gershwins Stück im Konzert besser zur Geltung bringen. Im Saal nebenan läuft längst die nächste Veranstaltung, während für den Pianisten in der kleinen Abstellkammer nun die vielleicht wichtigste Probe beginnt: Abschnittweise arbeitet er sich mit seiner Lehrerin durch Gershwins Stück und verleiht ihm den letzten Schliff für das große Abschlusskonzert.

Absolventenkonzert Junges Sinfonieorchester Dresden, am 27. März, 19 Uhr im Kulturpalast, Eintritt 18,50 Euro/erm. 9 Euro

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