Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ als rasantes Stück an den Landesbühnen

Die Liebe, immer wieder die Liebe: Hermia will Lysander heiraten, ist aber Demetrius versprochen. In den wiederum hat sich Helena verguckt, er begehrt jedoch Hermia. Theseus ist frisch mit Hippolyta verlobt, so richtig glücklich scheinen beide nicht, während Oberon und Titania im bunten Zauberwald von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ (Fotos: Hagen König) ihren erotischen Gelüsten nachgehen. Peter Kube hat den beliebten Klassiker an den Landesbühnen Sachsen speziell für junges Publikum inszeniert – und lässt den Reigen der Gefühle als derbes Durcheinander amüsant über die Bühne wirbeln.

Ein bisschen Traum und Fantasie gehören zu jeder Liebesgeschichte dazu, bei Shakespeare erst recht. Und so hat Barbara Blaschke ein farbenfrohes Bühnenbild entworfen, das die wilde Welt der Jugend mit einer märchenhaft romantischen Vollmondkulisse paart. Die ganze Sinnlichkeit des Theaters wird hier gekonnt zur Schau gestellt, ironisch hinterfragt und lebendig inszeniert. Die verknoteten Nebenstränge in Shakespeares Handlung wie die Welt der Elfen, die der Handwerker und die der Verliebten, die immer wieder ineinandergreifen, entwirren sich optisch gekonnt in Farbe von Kostüm und Kulisse: Das Herrscherpaar tritt in grellem Rot auf die Bühne, die Liebespaare tragen das Gelb der Eifersucht, die Elfenwelt erscheint im schimmernden Grün und die Handwerker dürfen standesgemäß in schwarzen Arbeitsklamotten zur Theaterprobe fürs Stück im Stück antreten.

Jenes Stück im Stück soll schließlich bei Theseus Hochzeit für Laune sorgen und ist von Shakespeare als humorvolle Satire aufs Theater angelegt, in dessen Spiel sich manche Wahrheit des Lebens aufs Unterhaltsamste spiegelt. An den Landesbühnen brilliert Holger Uwe Thews als Rampensau Zettel, der nicht nur den Pyramus, sondern am liebsten auch alle anderen Figuren im Stück mimen würde. Der Handwerker sind es in Kubes Inszenierung nur vier (statt sechs), doch Michael Berndt-Cananá (Peter Squenz/Thisbe), Moritz Gabriel (Schnauz/Wand) und Jürgen Haase (Schnock/Löwe) geben um Thews ein köstliches Komikergespann ab, das die zauberhafte Welt der Elfen und der vernebelten Verliebten immer wieder in gelungenen Intermezzi durchbricht. Die finale Aufführung des Theaters im Theater wird schließlich zum großen Ulk-Showdown und heimlichen Höhepunkt des Abends.

Die Magie der Liebe als Motor für das Chaos

Bis dahin jedoch passiert bekanntlich allerhand Magisches, das sich dem gesunden Verstand nur mit der Kraft der Liebe erklären lässt. Eine geheimnisvolle Blume vermag die Zuneigung der jungen Leute beliebig wandern zu lassen und auch die Erotik kommt nicht zu kurz. Besonders die beiden Mädchen Hermia und Helena geben alles für die Liebe. Luca Lehnert ist eine hysterische Hermia, sie schreit und flucht, will etwas nicht nach ihrem Kopf gehen, denkt gar nicht daran, sich der arrangierten Hochzeit mit Demetrius zu beugen. Verzweifelt verabredetet sie sich also heimlich mit ihrem Lysander, bevor doch alles anders kommt. Julia Rani verleiht der Helena nicht minder sture Starrköpfigkeit. Nicht zart verliebt zeigt sie sich in Demetrius, sondern stellt ihm als Stalkerin nach, versucht energisch, ihn mit Erotik zu locken, um abermals von ihm abgewiesen zu werden. Felix Lydike ist ein sanfter Lysander, Johannes Krobbach ein grober Demetrius – zumindest solange bis das Blümchen wirkt und die Gefühle der beiden in andere Richtungen lenkt.

Das Chaos ist vorprogrammiert. Mit einer List bringt schließlich auch Oberon seine Titania dazu, ihre Leidenschaft mit einem Esel auszutoben, der niemand anderes ist als der verzauberte Zettel. Sandra Maria Huimann ist eine zauberhafte Titania, die ihren verdrängten Gelüsten im schimmernden Käfig ordentlich Feuer verleiht. Grian Duesberg wirkt als Oberon wie ein gerissener Kobold, der diebische Freude an dem Chaos hat, das Puck in seinem Auftrag unter den Menschen anrichtet. Tom Hantschel wirkt als Puck behäbig und tölpelhaft, aber ebenso gutmütig. Zusammen mit Anke Teickner gibt er ein drolliges Paar ab, das glatt aus dem Sandmann entsprungen sein könnte.

Rasante Inszenierung, die nicht nur das junge Publikum unterhält

Das wilde Chaos der Gefühle, dass er ahnungslos anrichtet, nimmt in der Inszenierung von Peter Kube rasant seinen Lauf und ist bis hin zur Verfolgungsjagd durch den Theatersaal so schwungvoll inszeniert, dass sich nicht nur das junge Publikum davon mitreißen lässt. Erst als die Theatergruppe der Handwerker zur Hochzeit des Theseus mit ihrem ulkigen Spiel so richtig loslegt, kehrt endlich wieder Ordnung ein. Bei Theseus und Hippolyta jedenfalls scheint alles beim Alten. Matthias Henkel und Sophie Lüpfert wirken in ihren Rollen ein wenig steif. Das mag daran liegen, dass Shakespeare sie von der wunderbaren Wirkung des Elfenzaubers verschont, oder aber daran, dass ihnen hier kaum Raum zur Entwicklung bleibt. Und sei es drum: Vielleicht war das alles ja bloß ein verrückter Traum?

Info: Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ an den Landesbühnen Sachsen, wieder am 1.4., 7.4., 3.5. im Stammhaus Radebeul sowie am 23.3. in Freital und 25.3. in Großenhain

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