Wien ist die Stadt, wo der Herzschlag alter Zeiten auf den Puls der Moderne trifft

Bimmelbahnen rattern über die Ringstraße, vor der Hofburg parken die Fiaker in einer geraden Linie. Der Puls längst vergangener Zeiten schlägt in Wien so lebendig wie in kaum einer anderen Großstadt Europas. Dabei tanzt die Metropole an der Donau längst nicht nur im Walzertakt, auch die moderne Welt breitet in der Innenstadt ihre Flügel aus.

Wien, das bedeutet Kunst und Musik, europäische Historie, gutes Essen und modernes Großstadtflair in einem. Früher die Zentrale des riesigen Habsburger Reiches, ist die Stadt heute ein Inbegriff von Hochkultur, das Musikzentrum der Alten Welt, seit Jahrhunderten von der Sandwichlage zwischen Ost- und Westeuropa geprägt. Neben dem markanten Wiener Dialekt hört man Russisch, Tschechisch und Slowakisch in den Gassen, auch ungarische, türkische und kroatische Namen stehen in Wien an den Klingelschildern. Deren Traditionen haben ihre Spuren hinterlassen – nicht nur kulinarisch, auch kulturell hat die Donaumetropole stets von Einflüssen profitiert, die schon während der Habsburger-Monarchie beständig in die Stadt schwappten.

Fiaker am Michaelertrakt der Hofburg
Die Moderne hält Einzug in der Innenstadt, auch kulinarisch

Heute finden sich zwischen den traditionellen Wiener Kaffeehäusern kleine japanische Restaurants mit blank geputzten Tischen in der Innenstadt. Die amerikanische Caféhauskette Starbucks hat ihr Logo ebenso quer über den ersten Bezirk verstreut wie die Labels großer Modeimperien. Antiquariate und stylische Interieur-Läden existieren Tür an Tür. Ja, selbst die allgemeine Veganmanie hat die Schnitzel- und Wüstelstadt schon eingeholt. Gesund und kalorienarm essen gehen – in Wien ist das kein Problem mehr. Wer auf Sachertorte und Schnitzel verzichten mag, findet in Salat- und Sushibars leichten Ersatz.

Zahlreiche Persönlichkeiten verbinden Wien und Dresden

Das Schönste an der Stadt ist allerdings nach wie vor ihr Reichtum an Kultur! Gottfried Semper schuf neben dem Wiener Burgtheater (einem der besten im deutschsprachigem Raum) auch die Zwillings-Bauten des Kunst- und das Naturhistorischen Museums an der Ringstraße. An der Wiener Staatsoper wirkte unter anderem Richard Strauss als Direktor. Auch der Künstler Oskar Kokoschka, den Dresdnern bekannt als Professor an der Kunstakademie, war der Stadt Wien Zeit seines Lebens verbunden. Kein Wunder also, dass sich Dresdner hier so wohlfühlen! Kunst- und Musikkenner jedoch haben in Wien seit jeher die Qual der Wahl. Neben historischer Architektur locken unzählige Schlösser, Museen und Theaterhäuser. Die Kunst besteht vielmehr darin, jenseits des großen Touristentrubels auf Spurensuche zu gehen.

Blick vom Oberen auf das Untere Belvedere
Kunst und Architektur an allen Ecken

Auf Schloss Belvedere liegt einem die Stadt zu Füßen. Wer den Blick auf Stephansdom und Riesenrad genossen hat, darf anschließend durch die Säle des oberen Gebäudes wandeln, wo neben Werken von Gustav Klimt auch Bilder von Caspar David Friedrich, Oskar Kokoschka, Claude Monet und Edvard Munch hängen. Plötzlich steht man hier vor einer Landschaft aus der Sächsischen Schweiz. Dresden, Norwegen und Wien sind an diesem Ort auf wunderbare Weise vereint. Am nahen Naschmarkt kann man sich anschließend quer durch die Nationen dieser Welt futtern. China, Russland und die Türkei liegen nur einen Fingerschnipp voneinander entfernt – eine kulinarische Weltreise im Expresstempo.

Wiener Naschmarkt
Im traditionellen Kaffeehaus schlägt der Herz der Stadt

Wer den typischen Herzschlag von Wien spüren will, kommt jedoch an einer Institution nicht vorbei: Im Kaffeehaus ist die Zeitrechnung eine andere. Kaum fällt die Tür ins Schloss, verlangsamt sich der Puls der Großstadt und die Uhren drehen etwas langsamer. Noch heute ist das Kaffeehaus in Wien ein lebendiger Treffpunkt, ein Platz angeregter Diskussionen und des Austauschs. Auf verschlissenen Samtsofas und gedrechselten Stühlen sitzen die Wiener bei Kaffee und Kuchen mit Schlagobers, um angeregt mit ihrem Gegenüber zu schwatzen. Die Lüster aus den 70er Jahren sowie ein Stapel mit Zeitungen gehören zur Grundausstattung, ebenso wie die stets rege Geräuschkulisse.

Wien – die europäische Hauptstadt der Musiker und Komponisten

Und dann ist da natürlich noch die Musik. Nirgendwo auf der Welt kann man so viele Komponisten besuchen wie in Wien: Egal ob Mozart, Beethoven, Schubert oder Johann Strauß, die Wohnungen der großen Meister des 18./19. Jahrhunderts sind vielerorts noch erhalten und als Schauräume der Vergangenheit begehbar. Ludwig van Beethoven wohnte unter anderem auf der Mölkerbastei vis à vis der Universität.

Beethoven-Wohnung auf der Mölker-Bastei

In seiner Wohnung vermitteln die Räume mit originalen Gegenständen wie einer Uhr und einem Nachttisch aus Beethovens Besitz einen guten Eindruck vom Flair dieser Zeit. Mit Blick auf die Josefstadt soll Beethoven an dem Ort seine Oper „Leonore“ geschrieben haben, die Urfassung des „Fidelio“. Sie wurde 1805 am Theater an der Wien uraufgeführt, sieben Jahre später aber erneut überarbeitet. Klangbeispiele von Beethovens 5. Sinfonie, gespielt von den Wiener und den Berliner Philharmonikern zeigen, wie kraftvoll seine Musik ist und lassen noch beim Spaziergang durch die Stadt Gänsehaut prickeln.

Im Haus der Musik darf jeder die Wiener Philharmoniker dirigieren

Die Komponisten der Wiener Klassik werden zudem im Haus der Musik in der Seilergasse gewürdigt. Hier schlägt ein anderer Rhythmus, lockt neben Wiener Musikgeschichte und einer Ausstellung über die Philharmoniker ganz viel zum Ausprobieren. Wer die Wiener Philharmoniker einmal selbst dirigieren möchte, ist hier am rechten Platz! Zuvor sollte man jedoch unbedingt einen Blick in die Werkstatt des Geigenbauers nebenan werfen: Geigen, Bratschen, Celli und allerlei Werkzeug befinden sich sauber angeordnet in dem kleinen Raum. Neben CD-Aufnahmen großer Musiker komplettieren Fotos und Kupferstiche das Gesamtbild. Als wir hereinschneien, arbeitet der Meister gerade an einer Bratsche für einen Wiener Philharmoniker, die schon in wenigen Tagen im Konzert erklingen soll, sagt er. Das ist Musikleben live in Wien.

Staatsoper Wien
Ein Besuch im Museum und einer im Theater sind in Wien Pflicht!

Allein das zeigt schon: Egal wie lange der Aufenthalt in Wien ist, mindestens ein Museums- sowie ein Theater-, Opern- oder Konzertbesuch sind hier Pflicht! Die Inszenierungen an Burgtheater und Staatsoper sind exquisit und Tickets schon für wenige Euro zu haben, zur Not im Stehen. Es lohnt sich immer! Wer übers Wochenende kommt, sollte zudem beim Flohmarkt am Naschmarkt vorbeigehen. Das ist ein Stück lebendiges Wien, wie wir es oft nur aus Bildbänden und Geschichtsbüchern kennen. Die Gegenstände und Standbesitzer verraten viel über den Charakter der Stadt. Zwischen Büchern, Antiquitäten, Porzellan, Operngläsern und alten Möbeln warten Uhren, Schmuck aus Russland und Grafiken und Gemälde auf neue Besitzer. Der eine oder andere kleine Schatz für wenig Geld ist sicher dabei – und wer weiß schon, ob sich zwischen altem Tand und Gebrauchtwaren nicht doch vielleicht ein Gegenstand aus dem Besitze Beethovens oder Mozarts versteckt hat?

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