Das Kinderstück „Laura war hier“ zeigt am tjg, was Familien mit Pizza gemein haben

Laura ist sauer: Ihre Mutter hat keine Pizza im Einkaufsbeutel und vor dem grantigen Hausmeister Wesekus hat sie ihre Tochter auch nicht beschützt. „Warum habe ich keinen Vater?“, fragt die Sechsjährige aufgebracht. Kein Vater, kein Hund, kein Bruder, nicht mal ein Onkel kann die Zweisamkeit mit ihrer Mutter stören. Sieht so eine richtige Familie aus? Autorin Milena Baisch schickt die Protagonistin aus ihrem Stück „Laura war hier“ (ab 6 Jahre) am Theater Junge Generation auf die Suche nach dem Ideal einer glücklichen Familie wie im Werbefernsehen.

Schon stolpert sie hinein ins Abenteuer, ihr grün-getigertes Fahrrad „Pardi“ im Schlepptau saust Laura von Tür zu Tür, um einen Papa (am besten mit Hund) zu finden. Frank Panhans inszeniert das Stück als rasante Roadshow durchs Treppenhaus (Foto: PR/Marco Prill), in der sich die Wege der Bewohner kreuzen, ohne dass einer vom anderen Notiz zu nehmen scheint. Außer Laura. Episodenhaft trifft sie auf die Nachbarskinder und tobt mit ihnen über die große Drehbühne von Jan A. Schroeder. Barbro Viefhaus gibt die lebhafte Laura mit viel kindlichem Charme, verleiht ihr eine gehörige Portion Naivität und jenen mutigen Entdeckerdrang, der nur Kindern eigen ist.

Äußerst humorvoll gestalten sich die Begegnungen mit dem strengen Hausmeister Wesekus, der nicht müde wird, die offene Kellertür und Schmutz im Hausflur anzumahnen. Erik Brünner zeigt ihn als verbissenen Pedanten, einer von der Sorte Mensch, die flugs vergessen haben, wie schön es ist, ein unbeschwertes Kind zu sein. Ansonsten wechseln die Rollen rasch, lebt und kämpft jedes Kind letztlich in seiner eigenen Familienwelt: Audrey (Judith Nebel) muss sich sowohl gegen den kleinen als auch den großen Bruder behaupten, der freche Justin (Hanif Idris) hat ein Raumschiff und gleich zwei Väter zu Hause, Nelly (Babette Kuschel) wohnt in Erinnerungen schwelgend allein und Azita lebt bei ihrem Onkel.

Mit Musik von Caspar Hachfeld und Kaspar Föhres gewinnt die Inszenierung an Dynamik. Die beiden würzen das Geschehen vom Bühnenrand aus mit allerlei Klängen und Melodien, untermalen die Handlung fast wie im Comic. Volker Ludwig hat dazu eingängige Liedtexte gedichtet, die Caspar Hachfeld in einen kindgerechten, jedoch fast schon kitschig wirkenden Musicalton gegossen hat. Allein, wenn gesungen und manchmal auch getanzt (Choreografie: Anna Maria Damm) wird, droht der Handlungsfluss kurzzeitig einzufrieren. Das junge Premierenpublikum jedoch lässt sich von den flotten Melodien mitreißen und folgt der gut zweistündigen Vorstellung aufmerksam bis zum Schluss. Immer auf den Fersen von Laura, die ihre Odyssee durch verschiedene Familien- und Lebensmodelle im Wohnhaus unermüdlich fortsetzt.

Mit kindlichem Eifer öffnet sie Türen und muss doch erkennen, dass hinter keiner einzigen eine werbespottaugliche Familie lebt. Die Moral von der Geschicht: Am Ende gibt es zwar keine Mutter-Vater-Kind-Familie für Laura, dafür aber viel Pizza und eine richtig große Party mit allen Hausbewohnern. Unter den Girlanden im Treppenhaus zeigt sich dabei, dass Familie vielleicht nicht immer rosarot, aber ein bisschen wie Pizza ist: Belegt mit Nutella und Schinken, viel Käse oder Senf. Ein bisschen was von jedem für jeden, wie er es eben mag.

Tipp: „Laura war hier“ am tjg Dresden, wieder am 01. Oktober, 04., 05., 06., 07., 09., 14., 16. und 17. Oktober 2017

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