Hörtipp des Monats: Nils Mönkemeyer und die Bamberger Symphoniker unter der Leitung von Markus Poschner

Die Bratsche galt lange Zeit als das Aschenputtel der Streichinstrumente. Dabei steht sie den Stars im Konzertsaal in nichts nach: Sie kann lyrisch sein und melancholisch, singen und weinen, wild und zart sein – ist erdiger als die Geige und lebendiger als das Cello, wie der Bratschist Nils Mönkemeyer auf seinem aktuellen Album einmal mehr beweist. Zusammen mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Markus Poschner hat er darauf Werke von William Walton, Max Bruch und Arvo Pärt eingespielt, die jenen Aufbruch in die Moderne markieren, der auch die nachhaltige Emanzipation der Viola in den europäischen Konzertsälen beschreibt.

Völlig zu recht! Denn diese Aufnahme ist zum Niederknien, weil sie gleichfalls überrascht und wohlig einhüllt, weil man sich in ihr fallen lassen kann und doch immer wieder von der Intensität der Musik aufgerüttelt wird. Allein William Waltons Konzert für Viola und Orchester ist eine Entdeckung, ein viel zu selten gespieltes Juwel der Orchesterliteratur. Es steckt voller spannender Details, die man beim Wiederhören immer neu entdecken kann. Düster und geheimnisvoll hebt es an, um bald in samtige Sphären abzudriften. Mönkemeyer arbeitet diese Varianz spannungsvoll heraus, lässt seine Bratsche aufregend changieren, erdig im Ton, farbenreich und vielgestaltig, ohne beliebig zu sein.

Doch auch einem Kassenschlager der Celloliteratur wie Max Bruchs „Kol Nidrei“ vermag er auf der Bratsche ganz neue Facetten abzugewinnen. Mönkemeyer spielt hier mit Kontrasten, setzt klare Akzente gegen feine Abstufungen, lässt seine Bratsche schüchtern straucheln, um sie dann entschieden vor dem Orchester aufbrausen zu lassen. Fast scheint es, als entwickle das Instrument in diesem Werk jenes Selbstbewusstsein, das ihr der dünne Stückekanon bis dato verwehrte, wobei sich Bruchs Romanze für Viola und Orchester anschließend wunderbar anmutig, ja fast versöhnlich anschmiegt. Sie ist das Sahnehäubchen auf dem „Kol Nidrei“, voller Tiefe und Charme dargeboten.

Auf dieses romantische Doppel folgt mit Arvo Pärts Fratres für Viola, Streichorchester und Percussion schließlich der stimmige Kontra- wie Schlusspunkt. Schwerfällig, hypnotisch und hochvirtuos breitet sich der sinnliche Klangteppich aus, minimalistisch dicht gewoben – die Viola immer mittendrin. Die im Jahr 2008 geschriebene und uraufgeführte Version dies Stückes reißt Kontrasauf, um sie dann wieder zu vereinen und eröffnet einen leichten Zugang zur Moderne. Mönkemeyer zelebriert diese Getriebenheit zwischen den Stimmungen förmlich, gestattet seinem Instrument kleine Ausbrüche, fast wie im „Kol Nidrei“ – und schließt so wunderbar den Bogen auf dem Album mit einem sachten Ausklang, dessen Wirkung jedoch noch lange nachhallt.

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