ein inspirierender Tag bei den Meisterkursen Musik an der Musikhochschule Dresden

Und dann sitzt man plötzlich mittendrin, in einem der Dresdner Meisterkurse Musik an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber. Als Laie unter Musikern, denn die Kurse kann man auch als Zuschauer besuchen – und das ist äußerst empfehlenswert. Tatsächlich gibt es in den Stunden, die junge Musiker hier bei renommierten Interpreten (Foto: Ronny Waleska) absolvieren, viel zu lernen, mehr als jedes Konzert oder die Theorie in Büchern über Musik vermitteln könnten.

Drei Meisterkurse habe ich mir heute (13.9.) angeschaut, wobei ich ganz verschiedene Künstler- und Lehrerpersönlichkeiten kennenlernen durfte. Zuerst der Meisterkurs Klavier bei Prof. Christopher Elton: Ein ruhiger, sympathischer Engländer mit einem exzellenten Verständnis für Beethoven und seine Musik, wie sich zeigt. Ein klein wenig nuschelnd gibt er Hinweise zur Interpretation, spielt selbst, teils singend am Flügel. Die erste Frage, die er der Schülerin stellt, bezieht sich jedoch nicht auf Technik, sondern auf Beethoven selbst: „Was will er Ihnen mit der Sonate sagen? Was hören Sie in dem Stück?“ Es sei eine Aussage fast religiösen Ausmaßes, die Beethoven hier macht. Ein Ausdruck, wie er auch im Heiligenstädter Testament Niederschlag findet. Zudem klingen Reminiszenzen an Bachs Matthäuspassion in dem Stück an. „Beethoven war gläubig, er wollte mit der Sonate etwas mitteilen“, erklärt Elton – und zeigt, wie die Schülerin dies besser zum Ausdruck bringen kann. Das Tempo drosseln, nicht zu schnell, nicht zu hart, eher fließend und dann wieder energisch, voller Überraschung. Eine interessante Stunde.

Ab 11 Uhr dann der nächste Meisterkurs, nur zwei Türen weiter. Hier probt die Cellistin Tanja Tetzlaff mit einer jungen Schülerin, korrigiert Haltung und Bogenführung. Sie erinnert aber auch daran, dass Musik Kommunikation bedeutet, ein Blick zum Orchester, in diesem Fall zur Repetitorin, kann der Interpretation ebenfalls Flügel verleihen. Und siehe da, nur wenig später fließt das Stück. Als sprudele es aus dem Cello hervor, wie eine Geschichte aus dem Mund des Erzählers. Meist sind es nur kleine Dinge, die die Kursleiter korrigieren, die aber große Wirkung auf den musikalischen Ausdruck haben. Es geht nicht nur um Technik, es geht auch um das Verständnis für die Musik, für Stile, Zeiten, Spielweisen. Letztlich geht es um Kreativität, um die Kunst das richtige Maß zu finden, es klug einzusetzen. In jeder Hinsicht, technisch wie in der Interpretation.

Das wird auch im dritten Meisterkurs deutlich, dem eindrücklichsten an diesem Morgen. Denn der Klarinettist Ralph Manno ist ein Meister darin, Musik für seine Schüler bildhaft in Worte zu verwandeln, die richtige Interpretation so förmlich sicht- und greifbar werden zu lassen. Dynamisch und humorvoll führt er durch seinen Kurs, fordert die Studenten aber dennoch dazu auf, sich Zeit zu geben. Alles braucht Zeit, das richtige Maß kann man nicht erzwingen, man muss es erspüren lernen. „Das ist wie eine Pflanze, die man gießt und beim Wachsen beobachtet. Sie wird von viel Wasser nicht schnell größer, man muss ihr genau so viel Wasser geben, wie sie braucht, um zu wachsen“, sagt er und fordert die Musiker auf, den ersten Satz zu spielen. Energisch ruft er ihnen zu, welchen Ausdruck sie anschlagen sollen: ernst, lebhaft, verträumt.

Das Trio wandert durch verschiedene Stimmungen. Die Musiker lernen, diese wirkungsvoll zu interpretieren, ihre Zuhörer auf der musikalischen Reise mitzunehmen, überraschen, verwirren oder überfordern. „Das ist Musik!“, ruft Manno begeistert. Sein Enthusiasmus wirkt ansteckend, auch auf die Gasthörer, seine bildhaften Vergleiche leuchten selbst Laien sofort ein. „Du spielst zu Deutsch, zu ernst, das Piano hingegen sollte seine russische Strenge ablegen. Lasst euch frei, dies ist ein italienisches Stück! Seid frech!“, fordert er. Ab und an greift er selbst zur Klarinette, um ein paar Töne mitzuspielen oder tanzt eine Pirouette im Übungsraum. So will er jene Lebendigkeit von Musik vermitteln, die auch den Zuhörer ansteckt. Gelungen. Inspiriert gehe ich nach diesem Vormittag nach Hause. Das Gehörte klingt lange noch in mir nach. Musik, das heißt nicht nur Zuhören, das bedeutet auch begreifen. Und diesem Begreifen bin ich heute zusammen mit den Kursteilnehmern ein kleines Stück näher gekommen.

Dresdner Meisterkurse Musik, vom 11. bis 16. September 2017- die Kurse sind offen für Besucher, Tagestickets gibt es im Meisterkursbüro in der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber

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