Zu den Mozart-Tagen servieren Omer Meir Wellber und Niv Hoffmann ein „Mozart-Pasticcio“ als humorvollen Kosthappen

Was mag Mozart sich wohl gedacht haben, als er den Grafen Almaviva für den „Figaro“ komponierte? Wen sah er vor sich, wenn er die beiden Schwestern aus „Cosi fan tutte“ in Noten charakterisierte? Und hatte er ein reales Vorbild für den Frauenhelden „Don Giovanni“ in Wien? Wir wissen es nicht. Doch zweifelsohne gehören die drei Opern, die Mozart mit dem Librettisten Lorenzo Da Ponte schrieb, bis heute zu den großartigsten Werken der Musikgeschichte. In einem Experiment bringen der Dirigent Omer Meir Wellber und der Pianist Niv Hoffmann diese Opern nun in einem 60-minütigen Kammerstück als „Mozart-Pasticcio“ (Fotos: PR/Klaus Gigga) für Semper Zwei auf die Bühne.

Doch handelt es sich hier keinesfalls um einen Mini-Zyklus im Zeitraffermodus. Vielmehr ist das Stück eine unterhaltsame Studie, die Mozarts Figuren aus ihren Opern herauslöst, Leben und Vorstellung vermischt, um dem Komponisten und seinem Librettisten humorvoll bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Omer Meir Wellber machte jüngst durch seine originelle Interpretation des Da-Ponte-Zyklus an der Semperoper von sich hören – und verarbeitet in den Arrangements für das Kammerstück nun die bekanntesten Arien und Duette aus allen drei Opern zu einer facettenreichen Partitur. Beherzt leitet er die Musiker in der Aufführung vom Klavier oder Akkordeon aus. Lässt Anleihen aus der „Zauberflöte“ ebenso überraschend hervorblitzen, wie die ersten Takte aus Beethovens 5. Sinfonie, hin und wieder zucken auch Jazzrhythmen, zirpen die Streicher oder poltert Schlagwerk plötzlich herein. Das gelingt jedoch, ohne dass Mozart dabei fremd erscheint. Vielmehr entdeckt man den Komponisten plötzlich neu und erkennt, wie zeitlos seine Figuren sind.

Denn tatsächlich könnten der untreue Ehemann (Sebastian Wartig), die beiden schrillen Schwestern (Menna Cazel und Angela Liebold), der verliebte Jüngling (Tichina Vaughn), die Ehefrau (Roxana Incontrera) und der lebenshungrige Diener (Alexandros Stavrakakis), die hier an einem tollen Tag zusammentreffen, auch einer Realitysoap im Fernsehen entsprungen sein. Omer Meir Wellber und Niv Hoffmann haben dazu einen flotten Text geschrieben, der von jenen menschlichen Verwirrungen wie Liebe, Eifersucht und der Suche nach dem Glück erzählt, aus denen eben meist Opern-, Film- und Romanstoffe gewebt sind. Da wird gesungen und gescherzt, gestritten und verziehen. Konstanze Grotkopp schuf dazu ein schlicht-modernes Bühnenbild aus Schreibtisch, Sitzgruppe und einer Leiter sowie bunte Kostüme mit Reminiszenzen an die Mozartzeit.

Am Rande der Szene steht der Autor (Claudius von Stolzmann), der das wilde Spiel meist schreibend beobachtet, hin und wieder jedoch einschreitet und die Figuren zum Stillstand bringt. Ebenso wie der Komponist (Jennifer Riedel), der hier und da Türen öffnet oder wieder schließt, Störenfriede aus dem Verkehr zieht und wiederum beschwichtigt, wenn es allzu toll hergeht. So wird der Commendatore (Tilmann Rönnebeck) mehrfach von einem Fenster oberhalb der Bühne weggezerrt, bevor er wütend doch noch in die Szene stürmt. Denn hier ist nicht die Oper auf der Suche nach ihren Figuren. Es sind – wie der Untertitel des Stückes verrät – „7 Personen auf der Suche nach ihrer Oper“. Was sie finden, ist die Bühne, ebenso wie die Liebe und die Musik. Drei Dinge, mit denen sie unsterblich werden.

Unterhaltsam wie das echte Leben wird dieses „Mozart-Pasticcio“ ganz wörtlich genommen zu einem Appetithäppchen auf der kleinen Bühne. Im Rahmen der Mozart-Tage an der Semperoper eröffnet es einen unkonventionellen Zugang zu Mozarts Opern, macht neugierig auf mehr und stimmte zur Premiere am Nachmittag bereits auf die „Entführung aus dem Serail“ auf der großen Bühne am Abend ein. Und auch wenn wir am Ende der Vorstellung noch immer nicht wissen, wen genau Mozart und Da Ponte vielleicht einmal zum Vorbild ihrer Opernfiguren erkoren haben – eines ist sicher: Es gab sie alle und es gibt sie heute noch, nicht nur in Wien.

Info: „Mozart-Pasticcio“ auf Semper Zwei, wieder am 20. und 23. April

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