Carlos Matos bittet mit „Tango Piazzolla“ an den Landesbühnen Sachsen zum Tanz

Argentinische Rhythmen und eine volle Tanzfläche: Nach der Uraufführung des Tanzstückes „Tango Piazzolla“ an den Landesbühnen Sachsen glühte das Tanzparkett im Glashaus förmlich zur Milonga mit dem Trio Bien Porteño aus Heidelberg. Fast so, als hätte Hauschoreograf Carlos Matos mit seinem neuem Stück tatsächlich verborgene Leidenschaften beim Publikum geweckt.

Die Choreographie, die er für die Tanzcompagnie (Fotos: PR/Hagen König) der Landesbühnen Sachsen schrieb, ist in erster Linie eine zweistündige Liebeserklärung an die beliebte Musik des Tangokönigs Astor Piazzolla – und natürlich an den Tango selbst. Jener Tanz, der zur Jahrhundertwende im zwielichtigen Milieu der argentinischen Bordelle geboren wurde, wird hier zum Ausdruck unerfüllter Sehnsüchte, die besonders in Umbruchzeiten aufflammen. Denn der Tanz der verstoßenen Einwanderer und Außenseiter speist seine Stimmung aus einer einmaligen historischen Erfahrung: Mehrere Millionen (männlicher) Zuwanderer in Buenos Aires suchten damals die Gefühle von Heimatverlust durch erotische Bindungen in den Bordellen zu kompensieren, deren Besitzer Musiker verpflichteten, die zur Unterhaltung aufspielten – mit Tango.

Carlos Matos nimmt diese Ur-Eigenschaft des Tangos nun zum Anlass für ein sinnliches Tanztheater, mit dem er die Geschichte junger Menschen auf der Suche nach dem Glück erzählt, die so zeitlos ist wie der Tanz selbst. Verzweiflung und Leidenschaft, Kampf und Verständigung, Orientierungslosigkeit und die Suche nach Halt im Gegenüber werden hier in den sehnsuchtsvollen, immer mit einer Prise Melancholie durchwobenen Melodien von Astor Piazzolla anschaulich.

Das Bühnenbild von Kerstin Laube besteht aus einer dreh- und teilbaren Lamellenwand, die symbolisch für das einfache Milieu der Clubs und Tanzbars ins Buenos Aires zu dieser Zeit steht. Rings herum gruppieren sich elf Tänzer paarweise oder zu dritt, in größeren Gruppen oder im Solo zu den feurigen Rhythmen. Die Musik kommt vom Band, was der flirrenden Atmosphäre, die sich zwischen den Tänzern entwickelt, aber keinen Abbruch tut. Man ist sofort drin in dieser faszinierenden, auch zwielichtigen Welt der einfachen Leute Lateinamerikas, gefangen vom berauschenden Gefühl des Tangos.

Bilder und Formationen wechseln wie die Temperamente der Musik, Sehnsucht und Begehren, eine innere Zerrissenheit, Enttäuschung, aber auch unbändige Lebensfreude offenbaren sich darin. Hin- und hergeworfen zwischen Erotik und Angst, zwischen Einsamkeit und Geselligkeit suchen die Tänzer ihren Platz im Gefüge, wechseln Partner und Zuneigungen – manchmal auch ohne Antwort.

Piazzollas Rhythmen prickeln dazu wie Messerstiche, pulsieren wie ein aufgeregter Herzschlag. Von der Leidenschaft des ersten Kusses bis zur bitteren Melancholie eines einsamen Morgenerwachens reicht die Palette der Stimmungen, die in seinen Kompositionen aufscheinen. Sie eignen sich gut für so einen Abend ganz im Zeichen dieser „Musik der Sehnsucht“. Wer dabei nicht nur zusehen, sondern sich auch selbst dem Tangofieber hingeben will, dem seien die Vorstellungen am 8. und 23. April empfohlen, bei denen es einen Einführungskurs im argentinischen Tango und anschließend wieder eine Milonga im Glashaus gibt.

„Tango Piazzolla“ an den Landesbühnen Sachsen, wieder am 24.3., 2.4., 8.4. und 23.4. in Radebeul, 31.3., 18.4. am Theater Freiberg, 16.4. am Theater Döbeln und 13.5. am Theater Meißen

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