Essay über Dresden

Dresden ist eine Stadt, aus der man ab und zu fliehen muss. So schön sie auch ist, so eng und klein kann sie einem werden. Es ist dann ein bisschen, als schmorte man im Saft des Kesseltals. Als Studentin habe ich tatsächlich einmal ein Jahr lang den Fuß nicht aus meiner Heimatstadt gesetzt.

Kein Geld für Urlaub, die Prüfungen, Arbeit, keine Zeit. Ein ganzes Jahr pausenlos in Dresden. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ich bin im Kreis gerannt, an Mauern gestoßen, fühlte mich wie im Käfig. Ja, hin und wieder muss man weg und der Enge des charmanten großen Dorfes hier entfliehen. Hinaus in die Welt, mit den Wolken ziehen. Doch ganz egal, wie oft und wie lange man auch Abschied nimmt, eines ist in dieser Stadt stets ausnahmslos besonders: das Ankommen.

In Dresden (wieder) anzukommen hat tatsächlich eine ganz eigene Qualität. Es ist fast so, als umarme einen die Stadt wie eine liebende Mutter. Es fühlt sich irgendwie herzlich an, vertraut und voller Geborgenheit. Mir jedenfalls geht es immer so. Und es ist ganz egal, ob ich nun aus Berlin zurückkomme oder von der Ostsee, aus Italien, Wien oder Dubai. Es ist egal, ob ich zu diesem Zeitpunkt zurück wollte oder noch nicht, ob mir der Urlaub lang oder viel zur kurz erschien. Sobald ich in Dresden ankomme, bin ich froh, wieder da und stolz, in dieser Stadt zu Hause zu sein. Ja, es kommt sogar vor, dass ich mit dem Auto einen Umweg über die A17 in Kauf nehme, nur um an der Abfahrt Südvorstadt von der Bergstraße aus einen Blick auf die Kuppel der Frauenkirche erhaschen zu können. Zum Empfang.

Kaum bin ich angekommen, bin ich in Dresden auch schon da, ich muss mich nicht eingewöhnen, nicht erst aufwärmen wie woanders. Das ist wie beim Wiedersehen mit einem guten alten Freund: ein Blick in die Augen und sofort ist die tiefe Vertrautheit von früher zurück, als wäre man sich gestern erst zuletzt begegnet.

„Dresden empfängt mich mit so einer Wärme“, schwärmte neulich eine Regisseurin aus Potsdam im Gespräch mit mir. Sie arbeitet seit ein paar Wochen hier – und sprach mir damit aus dem Herzen. Es ist schön, so etwas zu hören. Gerade in Zeiten, in denen die rüden, unfreundlichen Stimmen oft lauter erscheinen, als die herzlichen Worte.

Doch auch, ja gerade in diesen schwierigen Zeiten komme ich gerne zurück in meine Stadt. Nicht selten macht sich nach der Ankunft das Gefühl breit, dass ich eigentlich gar nicht mehr weg will. Bis zum nächsten Fernweh zumindest. Denn ab und zu braucht man eben doch ein wenig Abstand, um Dresden wieder richtig lieben und wieder einmal dieses unbeschreibliche Ankommen hier spüren zu können …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.