Barocker Spaß mit Kaffee-Aroma

Marie Hänsel singt Bachkantaten in der Serkowitzer Volksoper

Der weiße Reifrock wippt fröhlich im Wind, die Perücke mit integriertem Kaffeegeschirr sitzt, das Make-up lässt die Wangen erröten. Die dazu passende Kantate von Johann Sebastian Bach klingt hell durch den Saloppe-Garten – und Marie Hänsel strahlt über das ganze Gesicht. Die junge Sängerin steht dieses Jahr bereits zum dritten Mal in der Sommertheaterproduktion der Serkowitzer Volksoper auf der Bühne. Die kleine Theatergruppe um Regisseur Wolf Dieter Gööck ist schon ein eingeschworener Haufen. Hier steht die Begeisterung an der Sache im Fokus und natürlich das Publikum, das den fein würzigen Humor der stets lustigen Stücke längst zu schätzen weiß.

„Präludium und Unfug – Ein Sandwich nach Johann Sebastian Bach“ heißt das aktuelle Werk, das am 14. August Premiere feiert. „Wir verfolgen immer den Anspruch der Heiterkeit – und genau deswegen bin ich hier am richtigen Ort“, sagt Marie Hänsel nach einer kleinen Kostprobe auf der Bühne. Die junge Sängerin stammt aus Radeberg und studiert Gesang mit dem Schwerpunkt Oper an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber. In diesem Sommer konnte man sie bereits als Titania in Brittens „Sommernachtstraum“ am Kleinen Haus sowie in der Partie der Pamina in Mozarts „Zauberflöte“ an der Felsenbühne Rathen erleben. Bei szene12 sang Marie Hänsel in den Opern „Apollo und Hyazinthus“ und „Cosi Fan tutte“ mit. Im Winter wird sie zudem an der Staatsoperette Dresden den Cupido in Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ geben.

Trotz allem steht sie immer wieder gern in Wolf-Dieter Gööcks leichten Sommeropern auf der Bühne. Er hat sich dieses Mal erstmals an den ehrwürdigen Johann Sebastian Bach gewagt – und zwei weltliche Kantaten des Komponisten in altbewährter Manier zum szenischen Gaudi vermengt. Die „Kaffeekantate“ und die „Bauernkantate“ bilden nun also den Bodensatz für ein humorvolles Stück über Genussmittel und Generationskonflikte. Serviert wird das Ganze natürlich mit viel Musik, für die – wie immer – Milko Kersten verantwortlich zeichnet. Der hat sich wiederum mit Luise Haugk und Florian Mayer zwei kreative Vollblutmusiker für seine Musi nad Labem ins Boot geholt. Auf der Bühne stehen neben Marie Hänsel erneut Dorothea Wagner und Cornelius Uhle in intimer Dreierbesetzung. Die barockpudrigen Kostüme hat Coco Ruch mit viel Phantasie und Ideenreichtum aus alten Gartenschläuchen und Trenchcoats gezwirbelt. Aufgeführt wird das Ganze in einem alten Zirkuswagen unterm Saloppe-Gartendach.

Genau ist es auch, was den besonderen Charme der Serkowitzer Volkksoper ausmacht. „Das Gemeinschaftsgefühl in diesem kleinen Team ist einfach riesig. Jeder ist hier mit ganz viel Idealismus dabei und wir haben alle Einfluss auf das Stück“, schwärmt Marie Hänsel. Damit am Ende alles gelingt, muss jeder überall mit anpacken. Das gebiert einen Teamgeist, den der Zuschauer am Ende auch spürt. „Wir wollen gemeinsam etwas Produktives machen, das auch qualitativ gut ist“, sagt Marie Hänsel. Und sie lächelt erwartungsvoll. Wie viel barocker Bach sich am Ende nun wirklich in dem neuen Stück versteckt, das wird sich spätestens am Sonntag zur Premiere zeigen. Doch eines scheint schon jetzt sicher: Es wird ein großer Spaß auf hohem musikalischem Niveau!

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