„Verklärte Nacht“ im Vollmondschein

Moritzburg Festival-Künstler begeistern mit Mozart, Schönberg und Schumann

Gut 200 Jahre ist es her, dass Mozart sein Flötenquartett C-Dur KV 171 schrieb, und gut 100 Jahre, dass Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ op. 4 für Streichsextett entstand. So frisch, wie beide Werke zusammen mit Robert Schumanns Klavierquintett Es-Dur op. 44 am 20. August beim Moritzburg Festival erklangen, könnte man fast meinen, die Uraufführungen haben gerade gestern erst stattgefunden. Denn alle drei Stücke begeisterten in dem sprühenden Konzert mit ganz unterschiedlichem Charakter, doch gleichermaßen mitreißend.

Auf den Höhepunkt des Abends – Schönbergs intensiv durchdringendes Streichsextett – leitet zunächst ein wohlig beflügelter Mozart ein. Adam Walker (Flöte), Ye-Eun Choi (Violine), Richard O’Neill (Viola) und Guy Johnston (Violoncello) finden sich hier zu einem durch und durch frischen Zusammenspiel zusammen und bezaubern vom ersten Satz an mit einem samtigen, fein aufeinander abgestimmten Klangbild. Mit dem leichten, luftigen Stück setzen sie so einen beschwingten Auftakt, unbeschwert und grazil schwebt das fröhliche Werk durch den Kirchenraum.

Schönbergs „Verklärte Nacht“ legte sich anschließend freilich ungleich schwerer darüber, als sei mit der Dunkelheit auch eine latente Bedrohung hereingebrochen. Mit Arnaud Sussmann (Violine), Mira Wang (Violine), Pauline Sachse (Viola), Richard O’Neill (Viola), Norbert Anger (Violoncello) und Guy Johnston (Violoncello) hat sich hier ein feinsinnig aufeinander eingestimmtes Ensemble gefunden, das diesen Eindruck mit flirrender Intensität und präzisem Spiel beständig auf- und abflauen ließ. Die oft raue Klangfarbe der Streicher bringen sie mit Sensibilität zum Klingen. Ein ewiges Wanken, das sich später in sachtes Wogen wandelt, mit packender Intensität über dem Zuhörer ausbreitet und in seiner subtilen Aufgeregtheit vom ersten bis zum letzten Ton in den Bann zieht.

Gut, dass danach erst einmal Pause ist und die mitreißende Erregtheit des Stücks in dem lauen Sommerabend so noch ein bisschen nachhallen kann. Zum Abschluss steht danach noch einmal Robert Schumann auf dem Programm. Ein Protagonist der Romantik, mit dessen Klavierquintett Es-Dur Joho Pohjonen (Klavier), Kai Vogler (Violine), Arnaud Sussmann (Violine), Kim Kashkashian (Viola) und Guy Johnston (Violoncello) einen energischen, vor Enthusiasmus nur so sprühenden Schlusspunkt zu diesem herrlichen Abend setzen. Wie ein Wirbelwind jagt dieser Schumann durch den Raum, voller Elan, ein wilder Ritt durch steile Läufe, wach und mit sprühender Lebendigkeit entwickeln die Musiker das Stück immer wieder hin zu neuen Höhepunkten und lassen keinen Raum für Müdigkeit aufkommen. Der letzte Abend beim diesjährigen Festival klingt so abermals lebendig und verheißungsvoll aus. Draußen empfängt – als wäre es so geplant gewesen – ein satter, runder Vollmond das Publikum und entlässt es zufrieden in die Nacht.

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