Ein Stadtrundgang auf den Spuren des Musikerehepaares

Sie lebten fünfeinhalb Jahre lang in Dresden und stehen dennoch bis heute im Schatten anderer Stars aus der Vergangenheit: Robert und Clara Schumann haben von 1844 bis 1850 familiär wie musikalisch bedeutsame Jahre in Dresden verbracht, pflegten einen riesigen Freundeskreis aus Musikern, Künstlern und Intellektuellen an der Elbe, besuchten Opern- und Konzertabende, bereicherten das Chor- und Konzertwesen mit ihren Salons und vielen Ideen.

Robert Schumann schrieb fast ein Drittel seines kompositorischen Schaffens in Dresden, darunter so bedeutende Werke wie das „Album für die Jugend“, seine 2. Sinfonie, Teile der „Faust-Szenen“ sowie die Klaviertrios op. 63 und op. 80. Im Gegensatz zu Richard Wagner oder Carl Maria von Weber scheint der Name Robert Schumanns in der Musikstadt heute jedoch unterrepräsentiert. Mit einem kleinen Rundgang durch die Innenstadt wollen wir 260 Jahre nach seinem Tod (29. Juli 1856) auf seinen Spuren durch Dresden wandeln.  #robertschumannorte

Frauenkirche Dresden

Schlaflose Nächte am Neumarkt
Die Tour beginnt am Dresdner Neumarkt, im Herzen der Stadt. Direkt gegenüber der Frauenkirche stand hier am Neumarkt 9 damals schon das Hotel de Saxe. Errichtet 1786 gehörte es damals mit seinem von Gottfried Semper ausgestatteten Konzertsaal zu den wichtigsten Konzertorten in der Stadt. Robert und Clara Schumann nächtigten hier bereits anlässlich ihrer ersten gemeinsamen Dresden-Reise vom 3. bis zum 5. Juli 1841:

„Heute ging es also wirklich fort nach Dresden. … Wir stiegen im Hotel de Saxe ab und wurden dort in ein kleines dunkles Zimmer gesteckt, wo wir noch obendrein eine schlaflose Nacht verbrachten, in dem, das schlechte Bett abgerechnet, sich etliche Kammerzofen und Diener bemühten uns durch ihre laute Conversation wach zu erhalten“, schreibt Clara in ihrem Tagebuch vom Juli 1841.

Hotel de Saxe am Neumarkt

„Welchen Satz wir für den gelungensten halten sollen, wir wissen es nicht.“
Der damals berühmte Konzertsaal im Hotel de Saxe, das im Schumannjahr 2006 neu eröffnete, war für Clara und Robert Schumann jedoch auch ein beliebter Aufführungsort. Clara konzertierte hier bereits als Jugendliche. Robert Schumann versuchte schließlich zusammen mit Ferdinand Hiller im Oktober 1845 erste Abonnementkonzerte für Dresden hier zu etablieren, Clara gestaltete 1848 insgesamt fünf Kammermusiksoireen mit Konzertmeister Franz Schubert im de Saxe. Viele Kompositionen von Robert Schumann wurden in dem prächtigen Saal uraufgeführt, zum Beispiel am 4. Dezember 1845 sein Klavierkonzert a-Moll op. 54.

„Schön erfundene, geistreich durchgeführte, interessante Motive, sehr wirksame und saubere Instrumentierung, wohltuende Abrundung der Form; gemütliche Zartheit und Innigkeit neben Energie und leidenschaftlicher Kraft, kenntnissreiche Verwendung der Effekte ohne Effekthascherei, Klarheit und Durchsichtigkeit neben geistreich verschlungener Arbeit, melodiöse und charakteristische Behandlung des Piano neben soviel Brillanz und Bravour, dass auch der Virtuose sich dabei befriedigt fühlen kann: wo das alles sich vereinet, da kann über den Wert einer Komposition wohl kein Zweifel obwalten. Die leidenschaftliche Kraft und Tiefe des ersten Satzes mit dem beruhigenden Gegensatz des zweiten Andantino – das keckfreudige, humoristische Rondo: welchen Satz für den gelungensten wir erklären sollen, wir wissen es nicht“, schrieb damals die Dresdner Abendzeitung.

Coselpalais Dresden

Konzerte im prächtigen Barocksaal
Wir gehen weiter zum Coselpalais, das in den 1840er Jahren das Hotel Stadt St. Petersburg beherbergte, welches ebenfalls über einen prächtigen Saal verfügte. Robert Schumann probte und konzertierte hier unter anderem mit dem von ihm gegründeten Chorgesangsverein, so erklang am 25. Juni 1848 an dieser Stelle die erste Aufführung der Schlussszene aus den „Faust-Szenen“ vor Publikum. In einer Matinee spielte Clara am 3. Mai 1846 das Klavierquintett Es-Dur op. 44.

Brühlschen Garten

Geburtstage mit Aussicht
Vom Coselpalais geht es an der Kunstakademie vorbei in den Brühlschen Garten, der heute ganz am Ende der Brühlschen Terrasse liegt. An dieser Stelle gab es zu Schumanns Zeiten zahlreiche Kaffee- und Wirtshäuser, wo sich der Komponist gern und oft mit Freunden, Bekannten, Kollegen traf. Zu Geburtstagen kehrte er hier auch mit der Familie ein, zudem gab es auch an dieser Stelle hin und wieder Konzerte. Das Belvedere war damals das meistbesuchte Lokal Dresdens, erst 1842 errichtet, mit zwei Konzert- und Festsälen, Aussichtsgalerie und Gesellschaftszimmer. So feierte die Familie Schumann etwa der 7. Geburtstag von Tochter Elise auf der „Terrasse“, wie die Haushaltsbücher belegen. Anhand der Häufigkeit der Einträge zur Brühlschen Terrasse können wir annehmen, dass dies einer der Lieblingsorte Robert Schumanns in Dresden war. Unmittelbar vor der Abreise nach Düsseldorf hat die Familie Schumann hier noch ein großes Abschiedsessen für Freunde veranstaltet.

„Herrlich Wetter – auf der Terrasse gegessen – Abends Kl. im Theater“, schreibt er am 24. Mai 1847 in sein Haushaltsbuch.

Semperoper Dresden

Besuche im Königlichen Hoftheater
Natürlich gehören auch die Semperoper und der Theaterplatz zu den typischen Schumannorten in der Dresdner Innenstadt. Obwohl Robert Schumann das begehrte Amt des Hofkapellmeisters nie bekam (wohl auch eine Ursache für seinen Umzug nach Düsseldorf), besuchten die Schumanns viele Vorstellungen im damaligen Hoftheater, dem ersten von Gottfried Semper erbauten Theaterhaus in Dresden. Robert und Clara Schumann sahen hier unter anderem Beethovens „Fidelio“, Goethes „Egmont“ oder Mozarts „Don Giovanni“. Clara erlebte bereits am 12. Februar 1843 Wagners „Rienzi“ und schloss Bekanntschaft mit dem ungeliebten Kollegen. Auch bei der ersten Dresden-Reise im Juli 1841 besuchte das Paar gemeinsam das Hoftheater.

„Wir sahen ein Schauspiel im Neuen Theater, das wohl eines der prachtvollsten der Welt ist; in einem schönen Gebäude fühlt man sich selbst viel veredelter, obwohl ein feiner Kunstsinn an der inneren Ausschmückung vielleicht Einiges auszusetzen hätte. Doch fort mit aller Kritik, wo so viel Schönes übrig bleibt“, schreibt Robert Schumann im Tagebuch.

Robert Schumann Büste

Erinnerung mit Büste und Medaillons
Fast versteckt liegt sie am Wegesrand im Park am Zwingerteich – und passt doch irgendwie zu dem bescheidenen Komponisten, dessen Büste hier schräg hinter der Semperoper verträumt auf die romantische Teichkulisse schaut. Die Schumann-Büste von Charlotte Sommer-Landgraf gehört seit 1986 zu den wenigen Gedächtnis-Stellen für Robert Schumann in Dresden. Seit 2010 hat es sich das Sächsische Vocalensemble um Matthias Jung zur Aufgabe gemacht, das musikalische Andenken der Schumanns stärker in den Focus zu spielen und singen. Im Umland von Dresden haben sie einen Schumann-Gedenkweg gegründet, an dessen Fixpunkten auch Medaillons an das Wirken des Musikehepaars in Dresden und Umgebung erinnern.

Palais im Großen Garten

Romantik im Großen Garten
Zum Schluss führt unsere Tour ins Grüne: Denn der Große Garten gehörte zu den absoluten Lieblingsorten Robert Schumanns in Dresden. Im Park ging der Komponist gern und oft spazieren, traf hier in Gastwirtschaften Freunde und Bekannte. Im Großen Garten fand 17. März 1846 das viel zitierte, zufällige Treffen mit Richard Wagner statt. Zudem wurden im Palais 1849 die „Faust-Szenen“ uraufgeführt. Die Aufführung war jedoch kein Erfolg, was die künstlerische und gesellschaftliche Ablehnung zeigt, die Robert Schumann in Dresden auch zuteil wurde. Hinzu kamen finanziellen Schwierigkeiten. Alle Versuche, eine Festanstellung in Leipzig, Wien oder Dresden zu bekommen, scheiterten. Schließlich schlug Ferdinand Hiller ihn als Nachfolger in Düsseldorf vor, was Robert Schumann gern annahm – und mit seiner Familie Dresden verließ.

„Morgenspaziergang mit Hiller – himmlischer Morgen – Nachmittag an Klara geschrieben – mit Marie Abends im Großen Garten – das liebe Kind – der Mond“, schreibt Schumann am 25.8.1847

Dieser Stadtrundgang beruht auf einer Tour, die ich 2007/2008 im Rahmen eines studentischen Forschungsprojektes an der TU Dresden über Robert und Clara Schumann in Dresden ausgearbeitet habe.

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