Beim semper open Air gab’s dieses maL Wagner mit Anna NetreBko und Wigald Boning

Das Open Air vor der Semperoper ist längst eine schöne Tradition geworden, aus einer Kulturstadt wie Dresden nicht wegzudenken. Auf dem Theaterplatz lädt die Oper dabei via Leinwand alljährlich zum kulturellen Public Viewing mit Starbesetzung und Christian Thielemann am Pult der Sächsischen Staatskapelle ein. Dieses Mal stand mit Wagners „Lohengrin“ zwar nicht gerade leichte Kost, auf jeden Fall aber eine der dresdnerischsten Opern überhaupt auf dem Programm – inklusive Wagner-Debüt von Anna Netrebko.

Das klingt vielversprechend, aber auch nach einem langen, glücklicherweise sehr sonnigen Nachmittag, an dem die viereinhalb Wagner-Stunden wie gewohnt zunächst mit einem humorvollen Begleitprogramm auf dem Theaterplatz angestimmt wurden. Statt Olaf Schubert begrüßte Moderator Axel Brüggemann dieses Mal den Comedian Wigald Boning in Ritterrüstung auf der Bühne. Dessen baldiges Geständnis, Wagner sei ja nun tatsächlich sehr, sehr heftig, dürfte wohl auch den Nerv der meisten auf dem Platz getroffen haben, denn echte Wagnerianer genossen sicher lieber drinnen. Was man dort selbst auf den teuersten Plätzen aber nicht sehen konnte, waren Hintergrundberichte und Interviews mit Thielemann und Netrebko zur Einstimmung sowie auch als Überbrückung für die beiden Pausen.

Semper Open Air

Das Schöne an so einer Open-Air-Oper ist zudem: Selbst Wagner gerät dabei recht kurzweilig. Denn natürlich darf man bei einem Picknick an einem der schönsten Plätze der Stadt auch mal reden, nebenbei schlemmen und die Nase nach Belieben zur Sonne recken. Die Schlangen an den Toilettenhäuschen hinter dem Opernhaus sind draußen ohnehin kürzer als drinnen, die Programmzettel werden kostenlos verteilt – die Stimmung ist allgemein lockerer.

Gott sei Dank, möchte man fast sagen. Denn so kamen die Picknicker in den Genuss großer Stimmen wie die von Anna Netrebko (als Elsa) und Piotr Beczala (als Lohengrin), durften unter dem gewohnt schillernden Dirigat von Christian Thielemann zu Wagners Musik schwelgen. Das alles jedoch, ohne dass die blutleere Inszenierung nach Christine Mieletz (sie stammt noch aus dem Jahr 1983!) dabei gestört oder gar allzu sehr gelangweilt hätte. Denn die Leinwand draußen schafft, was in der Oper unmöglich ist: Sie setzt den Fokus auf der Bühne mittels Zoom und klaren Schnitten, sodass sogar das leicht angestaubte Bühnen- und Kostümbild von Peter Heilein meist in den Hintergrund rückte. Ein Glück!

Semper Open Air

Die Hartgesottenen harrten also tatsächlich von 15:45 Uhr bis zum Abschluss gegen 21:00 Uhr in ihren Klappstühlen vor der Oper aus. Der Schlussapplaus auf dem Platz fiel wie eh und jeh euphorisch aus. Und dennoch: So richtig vom Hocker gerissen hat die Wahl des Programms für das diesjährige Open Air, nach schon mal Wagner 2014 und Weber im vergangenen Jahr, nun wahrlich nicht. Das Potenzial der lauen Sommeropernnacht ist durchaus größer: Es könnte sicher ein wirklich mitreißendes Getümmel werden, würde man statt der ollen Dresdner Hausgötter auch mal Verdi oder gar Mozart auf den Platz bringen!

Ein Gedanke zu „Oper im Sonnenschein

  1. Der Verfasserin dieses Artikels ist wohl nicht bewußt welche “ Perle “ aus der Semperoper
    hier geboten wurde. Dank an Herrn Thielemann –

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