Dresdner Soundtrack zur Weihnachtszeit

Hörtipp des Monats: Der Dresdner Kammerchor mit „O heilige Nacht“

Der Dresdner Kammerchor ist für seine fein abgestimmten, klangschönen Interpretationen bekannt – und beschert neben seiner Heinrich-Schütz-Gesamteinspielung mit dem Album „O heilige Nacht“ nun einen überaus besinnlichen Soundtrack zur Weihnachtszeit. Sehr filigran hebt als erstes der „Nachtgruß“ von Franz Wüllner an. Geleitet von Hans-Christoph Rademann hat der Chor hier zudem Werke von Brahms, Schreck, Reißiger, Loewe, Reger und Schumann eingespielt, um nur einige zu nennen.

Ein Querschnitt durch Lieder der Romantik bis hinein ins 20. Jahrhundert, der sich im Kern auf die Spur von Traditionen begibt, die jedes Jahr zu Weihnachten, wie sonst wohl zu keiner anderen Zeit, gepflegt und weitergetragen werden – und der darüber hinaus unbekannte sowie bislang noch nie eingespielte Werke der Chorliteratur versammelt. So unterschiedlich diese Stücke in Qualität und Charakter auch sind, eines eint sie doch: So filigran vorgetragen erscheinen diese Gesänge als Quell der Ruhe und Besinnlichkeit. Musik, die wie dafür geschaffen ist, sich mit einer Tasse Tee und einem Teller voller Plätzchen auf die Couch zu kuscheln, die erzgebirgische Pyramide im Kreise drehen und die Welt einfach mal draußen zu lassen. Die Lieder laden ein zum Innehalten, ja wirken sogar ein wenig beruhigend nach einem Jahr voll unheilvoller Schlagzeilen, wie 2015 es war.

Hans-Christoph Rademann betont klangliche Feinheiten, sein Chor spiegelt dies mit einer samtenen, brillant geschliffenen Intonation. Der schöne Klang entfaltet sich in Langsamkeit, er bekommt in dieser klaren, getragenen Vortragsweise den nötigen Raum. Zwischen all den wiederbelebten Liedern bleibt das Album aber dennoch eines schuldig: Der Gesamtkomposition fehlt es an ein paar auflockernden Akzenten, die Abwechslung ins Spiel bringen. Die Musik wirkt wie ein ebener, weicher Klangteppich, in dem sich ein Lied scheinbar nahtlos an das nächste schmiegt – nicht eintönig, aber kaum spannend arrangiert im Ganzen. Mancher wird das wohl als langweilig bezeichnen. Möglicherweise ist es aber genau die Art von Langeweile, die wir zum Jahresende eben brauchen – um Kraft zu schöpfen und Traditionen Raum zu geben …


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