Verführung, Mutation und Heimat

Vielseitige Diplomausstellung an der HfBK

Von wegen trübe, trist und langweilig! Die diesjährige Diplomausstellung der Dresdner Hochschule für Bildende Künste (HfBK) zeigt einige starke Werke. Nicht alles sind künstlerische Überflieger, und dennoch gibt es dieses Mal mehr als nur einen Saal, aus dem man staunend wieder herausgeht, ja sogar ein paar Exponate, die sich richtig im Kopf festkrallen. Fünf Tage vor dem Ende der Ausstellung (am 30.8.) will ich hier meine Lieblingswerke vorstellen:

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Mein ganz großer Favorit des aktuellen Jahrgangs ist der Maler Benjamin Hummitzsch. Es würde mich wundern, wenn wir von dem Jungen in Zukunft nicht noch hören oder lesen würden. Er hat für sein Diplom unter anderem drei große, inhaltlich wie gestalterisch eindrucksvolle Bilder in kräftigen Farben gemalt. Sie stellen eine Art zerfaserte Amöbenwesen in Menschenform, biologische Übertragungen, Mutationen auf ästhetisch fesselnde Weise dar. Detailverliebt. Faszinierend.

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Wunderbar hintersinnig ist das Werk „PlastiCity“ der Künstlerin Elisabeth Charnock. Aus kleinen, hässlichen Plastikteilen baut sie Stino-Städte nach Maß, in denen es alles gibt, was es in echten, großen Städten auch gibt, nur nichts Schönes. Egal ob in bunt oder Grau, diese Städte sind alles, bloß nicht lebendig. Doch man schaut sie gerne an, weil sie vom Fertigteilwahn schneller Schachtelbauten erzählen, weil sie Einblicke in eine rasch gebaute Zukunft ohne Seele liefern und weil sie im Puppenstubenformat scheinbar harmlos an kindliche Phantasien erinnern, die in erwachsene Wahnzustände umgeschlagen sind.

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In eine Welt jenseits von Erden entführt dagegen Diana Wehmeier mit ihrem Projekt „Diplom 3015“. Ein verspiegelter Raum, in Regenbogenfarben schimmerndes Licht, eine galaktische Weltumrundung auf der Leinwand. Mittendrin kommt man sich ein bisschen vor wie in einer Star-Wars-Kulisse. Was mit „U.S.S. Plasma 8105“ überschrieben ist, erinnert an Science-Fiction-Utopien und vielleicht auch daran, dass die irgendwann einmal Wirklichkeit werden könnten. Es ist auf jeden Fall faszinierend, man bleibt gern stehen, wartet, schaut und denkt sich seinen Teil dazu. So etwas fehlte dem 2014er Jahrgang der HfBK-Diplomanden definitiv.

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In diesem Jahr sind dafür gleich mehrere seltsame Räume vorhanden. Der zweite ist eigentlich nicht in Worte zu fassen – und auch Bilder sagen nur wenig, denn Geruchs-Blogs gibt es leider noch nicht. Oder zum Glück! Der Duft der Arbeit „Schöner leben“ von Georg Lisek wirkt erdrückend verführerisch – und er steht wohl auch für das erdrückend Verführerische, das uns im Werbefernsehen jeden Tag umgarnt. Ein Video und kleine Parfümflaschen, dazu eine elektronische Frauenstimme, die in einer berauschend glitzernden Umgebung auf den Besucher wartet. Er ist gefangen von optischen und sinnlichen Reizen, kann sich kaum entziehen aus diesem Spiegelsaal, obwohl alles darin unnatürlich und abstoßend ist. Das mag plakativ sein, macht aber Freude.

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Zum Schluss (eigentlich ja am Beginn der Ausstellung im Oktogon) ist da noch die Sache mit der Flucht und der Heimat auf zwei Quadratmetern. Eine Matratze, ein Schlafsack, viele Farbeimer. Hier geht es nicht um Campingurlaub oder ums Vorrichten. Es geht um ein Zuhause, das eigentlich keines ist – und darum, was es mit Menschen macht. Da gibt es verschiedene Optionen und Versuche, sich trotzdem wohlzufühlen. Die Besucher sollten das – und auch den Rest der Ausstellung – am besten selbst entdecken. Bis zum 30. August ist das am Georg-Treu-Platz noch möglich. Es lohnt sich!

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