Mit großen Künstlern auf Beethovens Spuren

Flavia Feudi und die Moritzburg Festival Akademie

Im Evangelisch-Lutherischen Diakonenhaus Moritzburg tönen seit Anfang der Woche klassische Orchesterklänge durch den Park. Hier leben und proben gerade 39 talentierte Nachwuchsmusiker aus 20 Nationen im Rahmen der Festival Akademie für das Moritzburg Festival. Eine von ihnen ist die Klarinettistin Flavia Feudi (Foto: privat) aus Italien. Die 27-Jährige hat im Juni dieses Jahres ihr Masterstudium am Mozarteum in Salzburg abgeschlossen. In einer Probenpause erzählt sie, wie sie zur Musik und schließlich nach Moritzburg kam:

„Ich komme aus einem kleinen Dorf bei Rom, in dem es aber eine Musikschule mit großer Tradition gibt. Als ich acht war begann ich dort, Klarinette zu erlernen“, sagt Flavia Feudi in flüssigem Deutsch. Bereits mit elf Jahren begann sie ihr Studium am renommierten Musikkonservatorium Santa Cecilia in Rom bei Professor Gaetano Russo. „In Italien ist es so, dass man dieses Studium neben der regulären Schule absolviert. Daher hatte ich mit 19 Jahren schon mein Klarinetten-Diplom“, erklärt die junge Musikerin. Bereits ihr Urgroßvater habe Klarinette gespielt, trotzdem sei ihre Entscheidung für die Musik für ihre Familie damals eine Überraschung gewesen. „Ich komme nicht gerade aus einer musikalischen Familie. Mein Vater arbeitet bei einer Bank, meine Mutter im Büro, auch meine Schwester hat kein Instrument gelernt. Trotzdem hat mich meine Familie von Anfang an sehr unterstützt“, sagt sie.

Von der Akademie in Rom ans Mozarteum in Salzburg

Nach ihrer Ausbildung in Rom, die sie als beste Absolventin abschloss, begann Flavia Feudi ihr Studium bei Alois Brandhofer am Mozarteum. Wenn man sie fragt, was sie nach Österreich führte, antwortet die junge Frau prompt: „Salzburg ist als Musikstadt wirklich bekannt – ich bin damals dahin gekommen und hatte das Gefühl, dass es passt. Heute muss ich sagen, das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, denn ich habe viel gelernt, auch wenn die Kultur und die Menschen in Salzburg ganz anders sind als in Italien – und das Wetter ist immer kalt.“ Die Klarinettistin spricht sehr offen und ohne Scheu, sie schlägt dabei auch auf Deutsch nahezu italienisches Redetempo an. Jetzt, da sie mit dem Studium fertig sei, komme der schwierigste Teil: „Ich muss eine Arbeit finden, nachdem ich diese wunderbare Ausbildung gemacht habe. In einem Orchester oder als Lehrerin, beides kann ich mir vorstellen“, sagt die junge Frau. Der Newsletter, der sie in Salzburg auf das Moritzburg Festival aufmerksam machte, kam für sie daher genau richtig.

„Ich habe mich sofort mit Video, Fotos und einem Schreiben beworben – und ich freue mich sehr, dass ich jetzt hier an der Akademie teilnehmen darf“, sagt sie und erklärt mit drei schnellen Gesten, wie das Leben für die Akademieteilnehmer in Moritzburg derzeit aussieht: „Dort schlafen wir, hier proben wir und da hinten essen wir – es ist ein hartes Programm, aber es macht viel Spaß, mit einem großen Dirigenten wie Milan Turković zusammenzuarbeiten und die vielen anderen jungen Künstler kennenzulernen, gemeinsam Erfahrungen auszutauschen.“ Die Akademieteilnehmer proben jeden Tag, oft bis in die späten Abendstunden. Als Festival Orchester werden sie ab Sonnabend im Laufe des Moritzburg Festivals (15. bis 30. August) schließlich zahlreiche Konzerte gemeinsam mit namhaften Künstlern, wie zum Beispiel der Pianistin Lise de la Salle, geben.

Beethovens Kammermusik steht im Fokus

Thematisch steht in Moritzburg dieses Mal Beethovens Kammermusikschaffen im Mittelpunkt, was Flavia Feudi ganz besonders freut: „Beethoven ist ideal für mich. Ich spiele zum Beispiel sein Septett op. 20, bei dem die Klarinette besonders schön zur Geltung kommt.“ Bislang habe sie mit Orchestern einige der großen Sinfonien Beethovens gespielt. – Während Flavia Feudi das alles erzählt, kommen immer wieder Teilnehmer der Festivalakademie über den Hof gelaufen, sie unterhalten sich auf Englisch, verbreden sich zum Essen oder zum Üben. „Es ist wirklich schön hier in Moritzburg, so ruhig und idyllisch. Gestern waren wir im Schloss, ich freue mich schon, wenn wir dort spielen dürfen“, sagt Flavia Feudi. Die Italienerin ist zum ersten Mal in Dresden und dem Umland zu Gast. „Dresden ist eine wunderschöne Stadt, das habe ich schon gedacht, als ich am Montag aus dem Zug gestiegen bin“, erzählt sie noch, bevor sie sich freundlich verabschiedet, um sich vor der nächsten Probe doch noch ein bisschen auszuruhen.

Feudi

Termintipp: 15. August, 19.30 Uhr: Orchesterwerkstatt mit dem Festival Orchester in den Elbe-Flugzeugwerken, Eintritt 15 Euro

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