Ein hinreißend mitreißender Abend

Herzklopfen beim Moritzburg Festival

Es gibt Konzerterlebnisse, die verführen zum Träumen, manche bescheren Gänsehautmomente, andere sogar Herzklopfen. Selten passiert es jedoch, dass dies alles an einem Abend aufeinander trifft. Beim Moritzburg Festival am Samstag (22.8.) war genau das der Fall. In der Evangelischen Kirche zu Moritzburg erlebte das Publikum einen glanzvollen Abend mit Weltstars in nahezu familiärer Kammerkonzertatmosphäre.

Den Auftakt bildete die ausgesprochen feinfühlige Interpretation von Mozarts Hornquintett Es-Dur, bei der Felix Klieser seinem Instrument einen für das Horn fast untypischen, wunderbar warmen, seidenen Klang entlockte. Es ist faszinierend, wie virtuos und leicht der 24-jährige Echopreisträger das Horn mit dem Fuß spielt, so als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Die Hornpassagen fügen sich hier ausgesprochen harmonisch in den Streicherklang von Mira Wang (Violine), Yura Lee (Viola), Lawrence Power (Viola), Christian Poltéra (Violoncello) – es ist ein filigranes Feuerwerk, von klarer Präzision und prickelnder Intensität getragen, das die Musiker hier mit Mozart entzünden.

Von einer ganz anderen Dominanz geprägt sind Piazzollas Tangos für Klavier zu vier Händen, äußerst lebhaft vorgetragen und arrangiert von den beiden Pianisten Alessio Bax und Lucille Chung. Die zwei lassen nichts anbrennen, legen sofort temperamentvoll auf dem Bösendorfer los – und verleihen den eigentlich leidenschaftlichen Piazzolla-Tangos nahezu rockige Züge. Die rhythmische Schwere und ein paar scharfkantige Dissonanzen der Stücke erscheinen hier zwar zunächst wie ein krasser Bruch zum Mozart vorher. Doch reißt das ausgesprochen feurige, raffiniert aufeinander abgestimmte Spiel von Bax und Chung – ihre Hände wirbeln in rasender Geschwindigkeit über die Tasten, beide ergänzen sich dabei so perfekt, als wären sie Eins – schon beim Zuschauen fast von den Hockern. Die scheinbar immer lebhafter werdenden Rhythmen sorgen bis zum letzten Akkord schier für Herzklopfen beim Zuhörer, sodass man sich während der Pause bei einem Glas Wein im Kirchgarten unwillkürlich fragt, was darauf wohl noch folgen (und diesen spektakulären Auftritt toppen) soll.

Es ist das Klavierquintett g-Moll von Sergej Tanejew, dessen melancholischer Anfang sich bald in ein lebhaftes, virtuoses Zusammenspiel aufschraubt, bei dem ein jeder im Ensemble mal ins Rampenlicht rückt. Alessio Bax beweist hier auch Gespür für geschmeidige, zurückgenommene Klavierpassagen. Zusammen mit Henning Kraggerud (Violine), Annabelle Meare (Violine), Lawrence Power (Viola) und Guy Johnston (Violoncello) gestaltet er eine sprühende, elektrisierende Tanejew-Interpretation, die schließlich den gelungenen Schlussakkord für diesen hinreißenden Abend bildet.

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