„Die TU-Orchester sind offen für Neues“

Der neue künstlerische Leiter im Antrittsinterview

„Filip Paluchowski ist „der Neue“ an der Spitze von Dresdens Universitätsorchestern. Der 25-Jährige (Foto: PR/Marlon Bonazzi) studierte in Wien Musik und ist seit April 2015 künstlerischer Leiter des TU Sinfonieorchesters und der Kammerphilharmonie. Am kommenden Sonntag (5.7.) wird sich der junge Dirigent polnischer Abstammung dem Dresdner Publikum nun musikalisch vorstellen. Für elbmargarita.de beantwortete er zuvor einige Fragen.

Sie sind jetzt seit dem Sommersemester als Leiter der beiden Orchester an der TU Dresden in der Stadt. Wie haben Sie sich hier eingelebt?

Ich habe mich sehr gut in Dresden eingelebt. Besonders gefällt mir, dass man in Dresden sowohl seine Ruhe genießen, aber auch sehr viel Kulturelles erleben kann.

Wie haben die beiden Orchester Sie aufgenommen?

Von der ersten Probe an habe ich gemerkt, dass die Orchester sehr offen für Neues sind. Generell ist das Orchester so flexibel, dass ich in keiner Probe das Gefühl hatte, dass wir Probleme überwinden müssen, sondern gemeinsam neue Herausforderungen angehen. Nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich wurde ich sehr herzlich aufgenommen und denke, dass sowohl das Orchester als auch ich uns jede Woche auf die gemeinsame Probe freuen.

Sie haben in Wien studiert, dort selbst ein Orchester gegründet. Was hat Sie dazu bewogen, sich hier ausgerechnet bei zwei Laienorchestern zu bewerben?

Es ist generell schwierig als Jungdirigent eine gute Gelegenheit zu bekommen, schnell viel Orchestererfahrung sammeln zu können. Ich bin jede Probe sehr glücklich, die Entscheidung getroffen zu haben, nach Dresden zu kommen. Nicht nur werde ich darin bestätigt, dass ich in Wien sehr viel gelernt habe, auch lerne ich mit jeder Woche wichtige Dinge dazu. Zudem ist es eine tolle Sache, dass ich viele Projekte, die mir im Kopf schweben, in die Tat umsetzen kann. Es wird daher in Zukunft, über die Semesterkonzerte hinaus, Sonderprojekte geben.

Was sind für Sie wichtige Ziele bei der Arbeit mit den Orchestern?

Der offensichtlichste Schwerpunkt soll natürlich die Musik sein. Ich möchte zur musikalischen Entfaltung der Orchester beitragen. Was wir schon dieses Semester klanglich erreichen konnten, stimmt mich freudig auf die weiteren Fortschritte. Zudem möchte ich Musik aufführen, die in Dresden weniger zu Gehör kommt. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt meiner Arbeit wird die Anbindung an die TU Dresden sein. Ich will erreichen, dass das Universitätsorchester auch als solches bei den Studenten und Professoren bekannt und geschätzt wird. Des Weiteren will ich die jüngere Generation als Publikum akquirieren und, durch Teilnahme an Projekten wie z.B. die Kinderuni, etwas zur Kinderbildung beitragen.

Was wollen Sie anders machen als Ihre Vorgänger?

Das ist eine schwierige Frage, da ich die Arbeit meiner Vorgänger schwer beurteilen kann. Ich habe mir einige Aufnahmen der vergangenen Jahre angehört und muss sagen, dass die Dirigenten vor mir sehr gute Arbeit geleistet haben und ich an dieses Niveau anknüpfen möchte. Ansonsten will ich mich bewusst nicht zu viel mit der Arbeit meiner Vorgänger befassen, da ich frisch an diese Stelle kommen möchte und nicht in Veränderungen denken möchte, sondern eher in Neuanfängen. Sicherlich wird es viele Neuerungen geben, da jeder Mensch andere Akzente in seiner Arbeit setzt. Diese werde ich jedoch nicht als bewusste Änderungen des Alten machen.

Sie haben auch eine Ausbildung an der Kirchenmusikschule Trier hinter sich. Wird das in die Orchesterarbeit hier mit einfließen?

Unterbewusst wird jede meiner Prägungen mit einfließen, auch die Kirchenmusikausbildung. Durch diese Ausbildung wurde ich dem Dirigieren näher gebracht und ohne diese hätte ich wahrscheinlich kein Dirigierstudium begonnen. Die Ausbildung liegt aber mittlerweile fast zehn Jahre zurück und ist somit nicht mehr so prägend für meine musikalischen Entscheidungen wie meine Zeit in Wien.

Was verbinden Sie inzwischen mit Dresden?

Als kulturschaffende Person verbinde ich mit Dresden zuerst die Semperoper und sehe diese Stadt als eine der Hochburgen der deutschen Kultur an. Es fasziniert mich jedes Mal aufs Neue, wie viel Kultur es in dieser mittelgroßen Stadt geben kann. − Leider kommt man bei Dresden in letzter Zeit nicht um das Thema Pegida herum. Dabei möchte ich betonen, dass ich Dresden von seiner sehr toleranten Seite kennenlernen durfte. Man darf nicht vergessen, wie viele Leute sich in Dresden für mehr Toleranz einsetzen. Somit verbinde ich Dresden auch mit einem starken Gegensatz der Meinungen.

Was erwartet uns in Ihren ersten beiden Konzerten?

Beides sind Konzerte mit einem sehr persönlichen Hintergrund. Ich wollte für meine Debütkonzerte meine Herkunft mit einfließen lassen. Da ich als Kind polnischer Eltern in Deutschland geboren wurde, war die Identitätsfrage für mich immer schon eine schwierige − die Grenzen dieser Länder verschwimmen in mir. Durch meine besondere Bindung zur polnischen und östlichen Kultur bedingt, wird sich das Publikum auf polnische Werke freuen können, unter denen auch unbekannte wie Karłowiczs Litauische Rhapsodie und das bekannte 2. Klavierkonzert von Chopin sein werden. Zudem werden wir Tschaikowskys Violinkonzert und Beethovens 7. Symphonie spielen. Das Motto dieser Konzerte lautet Grenzgänger. Dies rührt nicht nur von meiner Herkunft. Die Komponisten waren alle auf individuelle Art Grenzgänger, ob im technischen, klanglichen oder emotionalen Sinn. Zudem wird das Orchester gemeinsam mit mir immer mehr zu einem Grenzgänger, der seine Grenzen mit der Zeit neu erfindet und definiert.

Termintipp: Konzert des TU Sinfonieorchesters am 5. Juli, 17 Uhr in der Lukaskirche Dresden und der TU Kammerphilharmonie am 18. Juli, 19 Uhr in der Lukaskirche Dresden

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