Im Spiegel musikalischer Freundschaften

Sol Gabetta & Bertrand Chamayous „Chopin-Album“

Sie ist die Artist in Residence der Dresdner Philharmonie in der Saison 2015/16 und bezaubert auf ihrem aktuellen Album mit wunderbar zarten Cellointerpretationen von Werken Frédéric Chopins: Sol Gabetta entlockt ihrem Instrument auf ihrem „Chopin-Album“ nahezu samtige Töne, vereint sich mit dem Pianisten Bertrand Chamayou zu träumerischen Klangfarben.

Ungeheuer weich fließen Piano- und Cellostimme hier ineinander, spielen etwa in Chopins Sonate für Cello in g-Moll miteinander wie Liebende, die sich ergänzen, dabei jedoch sanft Grenzen ausloten – präzise abgestimmt und gefühlvoll kommunizierend. Die argentinisch-französische Cellistin russischer Abstammung und den französischen Pianisten verbindet eine langjährige Freundschaft, die sie jedoch erst 2006 gemeinsam auf die Bühne führte.

Seitdem gehen die beiden im Duo mehrfach im Jahr gemeinsam auf Tournee, mit The Chopin Album legen sie nun ihre erste gemeinsame CD vor. Ausgangspunkt für das Programm dieses Albums war der französische Cellist Auguste-Joseph Franchomme, einer der engsten Freunde Chopins, der erst das Interesse des Komponisten für das Cello geweckt haben soll. Neben Chopins Werken findet sich daher auch ein Nocturne aus Franchommes Feder auf der CD.

Die gemeinsamen Interpretationen von Sol Gabetta und Bertrand Chamayou strahlen eine enorme klangliche Intensität aus. Sol Gabetta verleiht ihrem Cello raffinierte Leichtigkeit, die es spielend mit dem hellen Pianoton aufnehmen kann, den Klavierpart klar widerspiegelt und jeden musikalischen Gedanken stringent zum Ende führt.

Bertrand Chamayous Klavierspiel ist ebenso fein abgestimmt auf seine Partnerin – sein Anschlag ist nie zu laut, nie zu kräftig, so klar und ausgewogen, dass das Cello hier stets wie ein gleichberechtigter Partner erscheint. Selbst Chopins lebhaftere Polonaise in C-Dur wirkt in ihrem Zusammenspiel so weich und fließend, als wäre der Klang aus einem Guss dahingossen.

Es ist wirklich ein Genuss, sich den poetischen, doch präzise austarierten Interpretationen der beiden Musiker hinzugeben, sich in diesem ruhigen Fluss treiben zu lassen. Sol Gabetta und Bertrand Chamayou zeigen mit dieser Aufnahme ihr sicheres Gefühl für musikalische Stimmungen, schöpfen aus dem sensibel abgestimmten Zusammenspiel größte klangliche Spannung und machen Chopins aufgeweckte Lebendigkeit zum gediegenen Hörerlebnis.

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