„Freischütz“ im Vollmondlicht

Semperoper-Open-Air lockt Tausende Dresdner

Es ist ein bisschen wie im romantischen Märchen: Der Vollmond lugt strahlend hinter dem Hausmannsturm hervor, umspielt von Wolkenfetzen schaut er hinunter auf dem Theaterplatz, auf dem 21 Uhr noch Tausende Menschen der Freiluftübertragung von Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ folgen. Drinnen wird die Opernpremiere von Christian Thielemann dirigiert, die ganze Kraft der Musik, sie entfaltet jedoch auch draußen einen erstaunlichen Sog.

Als Oper für alle lockt diese Freiluft-Premiere anlässlich des 30. Geburtstages des Opernneubaus, der 1985 ebenfalls mit dem „Freischütz“ eingeweiht wurde, zeitweise mindestens 6000 Menschen vor die Leinwand. Die meisten kommen pünktlich zur Ouvertüre um 19 Uhr – viele mit Decken, Stühlen und Picknickkörben bepackt, um es sich in den folgenden drei Stunden auf dem noch frühlingshaft kühlen Platz gemütlich zu machen. So herrscht fast andächtige Ruhe, während die Opernübertragung fast so spannend wie ein Sonntagskrimi, über die Leinwand ins Freie flimmert.

Axel Köhler hat für die wichtigste Oper der deutschen Musikgeschichte hier eine düstere, aber doch eher traditionelle Inszenierung geschaffen. Das Bühnenbild von Arne Walther, soviel ist auch auf der Leinwand erkennbar, fasst sowohl das berauschend Romantische wie das Volksliedhafte in Webers Musik gekonnt in Bilder. Ganz besonders in Erinnerung bleibt hier der zweite Akt, als beim Gießen der sieben Zauberkugeln Blitze über die Bühne huschen und die Kulisse mystisch rot aufflammt.

Gesanglich kann von der ersten Minute an Michael König als Max überzeugen. Georg Zeppenfeld verleiht der Partie des Kaspar das gewisse Quäntchen Grausamkeit und Sara Jakubiak singt die Agathe mit warmer, sehnsuchtsvoller Stimme. Erst zur Pause nach dem zweiten Akt brechen einige Zuschauer auf. Der Großteil jedoch bleibt (trotz abendlicher Kühle) bis zum Schluss. Der Applaus vor der Leinwand fällt nicht ganz so tobend wie der drinnen, aber dennoch begeistert aus. Er gilt sicher auch einem wundervollen Freilichtopernabend mit starker Besetzung.

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