Von Tradition bis Zukunft

Klezmofobia_PR (2)

Jüdische Musik- und Theaterwoche zeigt junge Kunst

„Jüdisch. Jetzt!“, heißt das Motto der 18. Jüdischen Musik- und Theaterwoche vom 26. Oktober bis zum 8. November in Dresden. Das klingt vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Ereignisse in Israel fast wie eine Kampfansage, ist aber gar nicht so gemeint. Denn nicht Politik, sondern die junge jüdische Kultur, die sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr in Deutschland und Europa zu formen begann, will Valentina Marcenaro, die künstlerische Leiterin des Festivals, in den Fokus rücken.

„Manchmal könnte man fast den Eindruck gewinnen, jüdische Kunst sei altbacken“, meint Marcenaro – und genau diesen Eindruck möchte sie mit dem diesjährigen Festival widerlegen. Die Krise am Gazastreifen soll dabei bewusst gar keine Rolle spielen. „Wir alle finden es genauso schlimm, was in Isreal passiert. Man kann dieses Land aber auf keinen Fall mit dem Judentum und schon gar nicht mit den Juden in Europa gleichsetzen“, betont sie. „Die jüdische Kultur wird jetzt in Europa wieder lebendig und diese Kultur möchte ich unterstützen“, meint Marcenaro.

Jüdische Themen, die auf zeitgenössische Art vermittelt werden, sowie junge jüdische Künstler aus Deutschland und ganz Europa prägen das Programm, das rund 30 Veranstaltungen in zwei Wochen umfasst. Zudem möchte Valentina Marcenaro in diesem Jahr verstärkt Familien zum Festival locken. „Das ist in den vergangenen Jahren etwas kurz gekommen“, sagt sie. So soll es am 2. November erstmals einen „Mischpoke-Tag“ (Hebräisch für Familie) in Synagoge und Gemeindezentrum geben. Dabei wird unter anderem die dänische Band Klezmofobia (Foto: PR) ein Konzert speziell für Kinder spielen.

Valentina Marcenaro ist überzeugt, dass jüdische Kultur und Traditionen auch dank des Festivals noch viel mehr aus ihrem Nischendasein in Deutschland heraustreten sollten. „Es gelingt tatsächlich immer wieder, die Hebräisch- und Jiddisch-Kurse während des Festivals zu füllen. Das Interesse der Menschen ist also da“, sagt sie. Zwischen 4000 und 5000 Zuschauer kommen jedes Jahr zu den Veranstaltungen der Jüdischen Musik- und Theaterwoche in Dresden. Doch da geht noch mehr, ist die künstlerische Leiterin überzeugt.

Auch aus diesem Grund ist sie glücklich, dass eine erfolgreiche Kooperation aus dem vergangenen Jahr fortgesetzt wird – nämlich die mit dem Dresdner Staatsschauspiel. Dieses Mal ist es ein Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin, das am 7. und 8. November am Kleinen Haus gastiert. Das Stück „Muttersprache Mameloschn“ von Marianna Salzmann erzählt von Frauen dreier Generationen, die sich gemeinsam ihrer Geschichte als Jüdinnen in Deutschland nähern. „Marianna Salzmann gehört der Gruppe von Juden in Deutschland an, die als Kinder von russischen Zuwanderern nach dem Zweiten Weltkrieg hierher kamen und heute die jüdische Kultur in Deutschland beleben und prägen“, erklärt Valentina Marcenaro.

Genau solche Künstler möchte sie beim Festival vorstellen. „Diese Leute fühlen sich heute in Deutschland zu Hause, leben aber dennoch die Kultur ihrer jüdischen Wurzeln“, sagt sie. In diese Reihe passt auch der Dokumentarfilm „JEW.DE.RU“ der jungen Künstlerin Tanja Grinberg, zu sehen am 3. November im Societaetstheater. „Der Film zeigt, wie diese junge, jüdische Generation in Deutschland lebt, sich – anders als noch die Eltern – als Teil der kulturellen Landschaft hier begreift“, sagt Valentina Marcenaro. Auch so wolle sie das Festival langsam aus seiner Nische herausholen, mit universelleren Stoffen, die das Judentum zwar als Ausgangspunkt haben, aber ein breiteres Publikum ansprechen.

Getreu der Festivaltradition sind zudem zwei Künstler aus Isreal zu Gast, die das „Israelische Fenster“ hier dann doch ein wenig öffnen. Damit möchte Valentina Marcenaro schon seit Jahren auf die Unterschiede jüdischer und israelischer Kultur hinweisen. „Es ist jetzt noch wichtiger als sonst, den Unterschied zwischen Israel und Judentum zu betonen“, sagt sie. Israel habe als Land auch seine eigene Kultur ausgebildet. In Dresden wird nun der in Israel geborene, heute in Berlin lebende, Choreograf Nir de Volff am 1. November eine Tanzperformance in der Jüdischen Gemeinde zeigen. Das israelische Hip-Hop-Duo Axum ist am 4. November in der Groovestation zu Gast.

Nicole Czerwinka

(Die Langversion dieses Beitrags ist zu lesen in der Oktoberausgabe der SAX.)

Linktipp: www.juedische-woche-dresden.de

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.