Genie im Schatten von Wagner und Co.

Semperoper ehrt den Dresdner Peter Ronnefeld

Peter Ronnefeld (1935 bis 1965) ist ein Dresdner Musiker und Komponist mit Schattendasein. Kaum jemand kennt seinen Namen. Seine Opern werden selbst in seiner Heimatstadt Dresden heute kaum gespielt. Die Semperoper Dresden wird den Dirigenten und Komponisten zur ersten Premiere der Saison mit seiner Oper „Nachtausgabe“ am kommenden Sonnabend (4.10.) ins Rampenlicht rücken. Doch wer war dieser Ronnefeld eigentlich?

Peter Ronnefeld (Foto: Archiv/Minna Ronnefeld) wurde am 26. Januar 1935 in Dresden geboren. Er entstammte einer Musikerfamilie. Sein Vater war Bratschist in der Dresdner Staatskapelle. Ronnefeld beendete schon 1950 den Besuch der Walddorfschule und studierte von da an bis 1954 an der Musikhochschule in Berlin Klavier und Komposition. Anschließend setzte er sein Studium am Pariser Conservatoire fort und unterrichtete ab 1956 am berühmten Salzburger Mozarteum. Im gleichen Jahr führte er seine Oper „Nachtausgabe“ erstmals am Salzburger Landestheater auf. Der Schriftsteller Thomas Bernhard, den Ronnefeld am Mozarteum kennengelernt hatte, spielte dabei die Rolle des Polizisten.

Die übermütige Satire handelt von der Zeitungssensation einer Entführung, die allerdings von den Redakteuren mangels Sommerthemen eigens für die „Nachtausgabe“ ihrer Zeitung inszeniert wird. Sowohl für sein Libretto als auch für die quirlige Partitur mit Ausflügen in die italienische opera buffa wurde Ronnefeld in Salzburg bald als Genie gefeiert. Doch Aufführungen in anderen Städten ergaben sich zunächst nicht. Peter Ronnefeld ging von 1958 bis 1960 als Solorepetitor, Dirigent und Assistent Herbert von Karajans an die Wiener Staatsoper. 1961 wurde er Chefdirigent an den Städtischen Bühnen Bonn, 1963 zum Generalmusikdirektor des Theaters Kiel berufen.

Die Werkliste des mit nur 30 Jahren an einer schweren Krankheit verstorbenen Künstlers liest sich aber auch darüber hinaus beeindruckend: Sein wohl bekanntestes Werk ist die Oper „Die Ameise“ (uraufgeführt 1961 in Bonn), zudem schrieb Ronnefeld mehrere Ballettmusiken, Orchesterwerke, Kammermusiken, Chorwerke und Stücke für Sologesang. Im Jahr 1987, also erst nach dem Tod des Dresdner Komponisten, wurde „Nachtausgabe“ am Opernstudio der Wiener Staatsoper in einer Neufassung nachgespielt, die allerdings streitbare Eingriffe in Dramaturgie und Text vornahm.

Anlässlich des 50. Todestages des Komponisten erfolgt am 4. Oktober die Deutsche Erstaufführung der Oper in Originalfassung an der Semperoper. Das Stück erobert in einer Inszenierung von Manfred Weiß die Dresdner Bühne. Die Notenbibliothek der Semperoper hat dafür eigens aus der Partitur heraus das verschollene Notenmaterial der Uraufführungsfassung rekonstruiert und neu hergestellt. Am Pult der Staatskapelle Dresden steht Ekkehard Klemm -, Evan Hughes, Christiane Hossfeld, Julian Arsenault, Christopher Tiesi, Tom Martinsen, Sebastian Wartig und Hanns-Jörn Weber sind in den Hauptpartien zu erleben.

Peter Ronnefeld „Nachtausgabe“, Premiere am 4.10., 20 Uhr in Semper 2, weitere Aufführungen: 6., 7., 10., 11., 26., 28. und 29. Oktober

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