Verteufelt amüsant

Der Teufel mit den Titten St. Pauli Ruine Dresden
Teuflische Komödie in der St. Pauli Ruine …

St. Pauli Ruine spielt „Der Teufel mit den Titten“

Kaum etwas ist so lästig, so hinderlich und so unglaublich trist wie die Tugend. Dies dachte sich auch der Oberteufel Francipante beim ehrenhaften Richter Alfonso de Tristano – die sprichwörtliche Inkarnation von Nomen est Omen – und beschließt ihn zu verderben. Der Richter, welcher sich als einzig standhafte Kraft in seiner Stadt gegen korrupte Politiker, bestechliche Inquisitoren und dubiose Machenschaften der Mächtigen zu wehren versucht, soll mit einem teuflischen Zäpfchen – denn das ist die beste Öffnung, die es gibt: der Arsch – vom rechten Weg abgebracht werden. Doch dummerweise ist es nicht Tristano, sondern seine schwatzhafte Haushälterin Pizzocca, die infiziert wird. Sie verwandelt sich in eine betörende Schönheit und beginnt das Leben des Richters gehörig auf den Kopf zu stellen, denn: Ihr Busen ist neugierig!

Das sich nun entwickelnde Treiben vom „Teufel mit den Titten“ (Foto: PR), ursprünglich 1997 vom Literaturnobelpreisträger Dario Fo verfasst, wird momentan auf höchst amüsante Weise in der St. Pauli Ruine Dresden aufgeführt. Bereits die imposante Kulisse der ehemaligen Kirche verleiht dem Stück ein ganz eigenes Flair und zieht das Publikum sofort in den mittelalterlichen Bann. Da die Lokalität nicht ganz zweckmäßig ist, sind natürlich auch die Möglichkeiten wesentlich bescheidener. Dennoch vermag es das Team um Regisseur Jörg Berger mit kleinen Mitteln den Zuschauer abzuholen und in beste Theaterlaune zu versetzen.

Sei es zum Beispiel durch die charmanten Requisiten, die in ihrer Einfachheit (ein Bart zum Umhängen) die Waschfrau plötzlich in einen Wachmann verwandeln können. Oder sei es durch die von Matthias Krüger komponierte und vorgetragene Livemusik am Klavier, die als stimmungsvolle Untermalung der kurzen Umbauphasen, der entscheidenden Szenen oder zu den immer wieder eingeflochtenen kurzen Gesangsstücken erklingt. Diese, mit Yvonne Dominik erarbeiteten Songs lockern die gesamte Inszenierung angenehm auf und gehen schnell ins Ohr.

Auch die Leistung der einzelnen Schauspieler kann sich sehen lassen. Obwohl das Ensemble ein Laientheater ist, nehmen die Akteure den Zuschauer mit und kleinere Fehler übersieht man wohlwollend bei diesem fast kindlichen Vergnügen, das die Truppe einem dort auf der Bühne bereitet. Insbesondere Ingrid Schütze als vom Teufel gesteuerte Haushälterin mit ihrer großartigen Körpersprache und Mimik weiß zu begeistern, aber auch Martin Rossmanith (Richter Tristano) gelingt ein wirklich schön anzusehender, innerer Kampf mit seiner Tugend.

Ein einziger Wermutstropfen bleibt, der den Genuss etwas dämpft: Denn ob es nun an der Technik, an der nicht ganz sauberen Aussprache der Schauspieler oder an der Akustik lag – es kam einfach nicht alles einwandfrei beim Ohr des Publikums an, weswegen insbesondere manche Pointe der Songs unbemerkt vorbeizog.

Dennoch ist „Der Teufel mit den Titten“ eine satirische Komödie, die lohnt. Denn wie auch schon der Vater des Stückes betont: „… es ist ja bekannt, dass die Klassiker stets schamlos die Skandale und Persönlichkeiten der Chronik unserer Tage kopiert haben!“ Die somit also offenkundigen Parallelen zu aktuellen Geschehnissen sind natürlich rein zufällig.

Dass das gut ankommt, zeigt sich nicht zuletzt an der Anzahl der Zuschauer: Obwohl das Stück bereits am 18. Juli 2014 Premiere feierte, waren am vergangenen Samstag, dem 23. August, die Plätze nahezu alle belegt. Kein Wunder, bei diesem teuflisch guten Amüsement! Und so bleibt nur noch ein Tipp zu geben: Schüchterne Menschen sollten die erste Reihe vielleicht doch meiden …

Daro Fo „Der Teufel mit den Titten“ an der St. Pauli Ruine, wieder am 20.09., 20 Uhr, 21.09., 19.30 Uhr, 22.09., 19.30 Uhr, 23.09., 19.30 Uhr und 03.10., 20 Uhr

Linktipp: http://www.pauliruine.de/

 

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