Goethes „Faust“ unter freiem Himmel

Faust-Altroßthal

Schüler des BSZ in Altroßthal spielen im Park auf

Das wird ein Spektakel: Mit Feuer, Nebel und Wasser unter freiem Himmel führen die Schüler des Berufsschulzentrums für Agrarwirtschaft und Ernährung Dresden (BSZ) am Donnerstag (17.7.) im Schlosspark Altroßthal Goethes „Faust, der Tragödie erster Teil“ (Foto: Michael Prause) auf. Zum siebten Mal vereinen sich die Klassen des BSZ zu einer gemeinsamen Theaterproduktion und starten mit vier furiosen Aufführungen in die großen Ferien.

Begonnen hat das Ganze im Jahr 2008. Toni Burghard Friedrich, damals selbst noch Schüler am BSZ, hatte die Tragödie „Fluchtweg“ geschrieben, die er und seine Mitschüler zunächst im Studiotheater des Dresdner Kulturpalastes auf die Bühne brachten. „Im darauffolgenden Jahr haben wir dann den herrlichen Park, direkt an der Außenstelle des BSZ entdeckt. Wir haben ihn freigelegt und eine Bühne gebaut“, erzählt er. Das Sommertheater in Altroßthal war geboren. Wo einst das Fürstengeschlecht der Neuimptscher residierte, spielten die Schüler 2009 Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ erstmals unter freiem Himmel in „ihrem“ Parktheater. Es folgten Benatzkys „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“ (2010), Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ (2011), ja sogar der frei nach Wagner inszenierte „Der Ring des Nibelungen“ (2012) und Shakespeares „Maria Stuart“ (2013) wurden auf der Sommerbühne des Schulzentrums gegeben.

Toni Burghard Friedrich, der 2010 sein Abitur machte, blieb den sommerlichen Theaterproduktionen seiner Schule stets als Regisseur treu. Die Besetzungen wanderten durch die Jahrgänge. „Das ist ein rollendes Prinzip, erst eine Nebenrolle, im nächsten Jahr dann vielleicht eine Hauptrolle, so werden nach und nach auch die neuen Schüler mit einbezogen“, sagt er. Im Mai dieses Jahres hat Friedrich sein Studium der Musiktheaterregie in Wien abgeschlossen, arbeitet inzwischen als freier Regisseur in Dresden und Wien. Doch „sein“ Sommertheater in der Schule ist noch immer fest im Kalender verankert. „Bislang haben wir uns quer durch die Theaterliteratur gespielt, nur der Goethe fehlte nun noch“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Der „Faust“, den er mit den Schülern des BSZ erarbeitet hat, sei aber keine allzu schwere Kost. „Wir sind sehr verspielt mit dem Stück, es steckt viel von den Schülern selbst drin“, sagt er. Auf allzu schwer verständliche Textstellen habe er verzichtet, oder diese so gestaltet, dass sie klarer werden. „Außerdem wird diese Inszenierung sehr musikalisch, wir haben sogar einige Musikstücke extra für das Stück geschrieben“, erzählt Friedrich weiter. Seit Freitag haben er und alle am Theater Beteiligen aus der Schule wieder ihr Zeltlager im Schlosspark aufgeschlagen. So können sie sich eine Woche lang bei intensiven Proben gemeinsam auf die vier Aufführungen vorbereiten. Für Schüler wie Regisseur ist das nicht nur harte Arbeit, sondern auch ein riesiges Gaudi.

In diesem Jahr sind rund 50 Schüler an dem Projekt beteiligt. Für Bühnenbild, Schauspiel und Technik ist fast die ganze Schule mit eingespannt. Dank einiger alter Hasen, die für das Projekt ebenso wie Friedrich jedes Jahr an ihre Schule zurückkehren, werden die Aufführungen immer professioneller. „Inzwischen holen wir Lkws voller Technik für das Theater ins Roßthal“, sagt Friedrich schmunzelnd. So hat das Theaterprojekt des BSZ eine Eigendynamik entwickelt, die ihres Gleichen sucht. Dass die Freude und der Spaß am Theatermachen seit Jahren die Motoren sind, die es am Leben halten, spürt man nicht nur im Gespräch mit dem Regisseur – es zeigt sich auch daran, dass Friedrich nicht der Einzige ist, der nach dem Abitur eine professionelle Künstlerlaufbahn eingeschlagen hat. „Die Schule sagt immer, sie würde ja gern mal einen Wissenschaftler hervorbringen, aber in der Tat haben wir mehr Schauspieler, Regisseure und Theaterpädagogen unter den Absolventen“ , sagt Friedrich.

Das Publikum in Altroßthal weiß es zu schätzen. Obwohl der Park heute kaum noch einem Dresdner bekannt ist, nehmen längst nicht mehr nur die Eltern und Großeltern auf den Stuhlreihen Platz. „Die Besucherzahlen nehmen zu, wir haben schon einige Stammgäste aus der Umgebung. Mittlerweile verkaufen wir fast 200 Karten pro Aufführung“, sagt Friedrich. Doch auch wenn mehr kommen, sei das kein Problem. „Wir können jeder Zeit noch ein paar Stühle dazustellen, zum Glück ist es draußen ja nicht beengt“, sagt er. So muss letztlich bei den vier Aufführungen Ende der Woche nur noch das Wetter mitspielen, allein das ist bekanntlich ja nicht zu proben.

Nicole Czerwinka

Goethes „Faust, der Tragödie erster Teil“, Schlosspark Altroßthal, Altroßthal 1, 01169 Dresden, Premiere am 17.7., 20.30 Uhr, weitere Vorstellungen am 18., 19. und 20. Juli, je 20.30 Uhr

Linktipp: www.facebook.com/schlossparktheater

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