Clara und Robert Schumann in Dresden

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Die Geschichte einer studentischen Spurensuche

Es sollte ein etwas anderes Studienprojekt werden. Eine lebendige Recherche, die über reine Archivarbeit hinausgeht und ein aktuelles Thema in den Vordergrund stellt. So gründete sich 2007 eine studentische Projektgruppe am Institut für Musikwissenschaft der Technischen Universität Dresden (TUD). Auftakt war ein Seminar namens „Clara und Robert Schumann in Dresden“, das dort im Wintersemester 2007/08 stattfand und mit dem Projekt „Clara und Robert Schumann in Dresden – eine Spurensuche“ auch darüber hinaus fortgesetzt wurde.

Beteiligt waren angehende Musikwissenschaftler unterschiedlichster Jahrgänge. Im Hinblick auf die Tagung „Robert und Clara Schumann in Dresden – Biografische, kompositionsgeschichtliche und soziokulturelle Aspekte“, die im Mai 2008 ebenfalls an der TUD stattfand, traf die Studentengruppe sich zunächst wöchentlich und bildete drei Arbeitsgruppen. Eine beschäftigte sich fortan mit den Wohn- und Wirkungsstätten von Robert und Clara Schumann zwischen 1844 und 1850 in Dresden, eine weitere ging den Spuren der beiden im aktuellen Dresdner Musikleben nach und die dritte ermittelte, inwieweit die Dresdner die Schumanns überhaupt mit ihrer Stadt verbinden.

Die Resonanz auf das Projekt war schon bei der wissenschaftlichen Tagung – auch seitens namhafter Wissenschaftler – 2008 enorm. Denn tatsächlich waren die Dresdner Jahre der Schumanns von 1844 bis 1850 bis dato noch kaum umfassend dargestellt und untersucht worden. Nun ging es daher erst richtig los. Die Studentengruppe begab sich auf Exkursion zum Schumannhaus in Zwickau sowie nach Maxen und Kreischa, wo Robert und Clara Schumann in den Revolutionsjahren 1848 bei Familie Serre Unterschlupf fanden. Parallel dazu recherchierten die Studenten weiter, flöhten die Briefe, Tagebücher und Haushaltbücher der Schumanns, befragten Dresdner Konzertpublikum, wichtige Musiker in der Stadt – und sammelten all diese Materialien.

Ein Bildband sollte entstehen, das war schon von vornherein ein Ziel des Projektes. Zunächst jedoch entstanden anlässlich des Schumannjahres 2010 erst einmal eine thematische Stadtführung und eine Ausstellung aus mehreren Bildtafeln, die zum ersten Schumannfest im Palais im Großen Garten eröffnet wurde. Im Dezember wanderte sie schließlich in die Dresdner Musikhochschule Carl Maria von Weber, bevor sie im Juni 2011 dann auch im Pianosalon im Coselpalais zu sehen war – der vorläufige Abschluss des Projektes war damit besiegelt, einige der ersten Mitstreiter hatten ihr Studium inzwischen schon abgeschlossen.

Der Bildband geriet dennoch nicht in Vergessenheit, die ersten Texte dafür waren bereits im Vorfeld der Ausstellung geschrieben worden. – Und heute, vier Jahre nach dem 200. Geburtstag von Robert Schumann, liegt auch dieses Buch als bleibende Dokumentation des studentischen Projektes und seiner „Folgen“ vor. Erschienen im Juni 2014 unter dem Titel „Clara und Robert Schumann in Dresden – eine Spurensuche“ im Dohr-Verlag Köln und herausgegeben vom Dresdner Musikwissenschaftler Professor Hans-Günter Ottenberg ist es die erste Publikation, die sich in diesem Umfang und auch im Hinblick auf das aktuelle Musikleben der Stadt Dresden mit dem Aufenthalt des Ehepaars Clara und Robert Schumann von 1844 bis 1850 in Dresden beschäftigt.

Insgesamt 17 studentische Autoren haben den Extrakt ihrer Recherchen darin aufgeschrieben, verbunden mit zahlreichen Bildern, Anekdoten und Fakten rund um das Komponistenpaar, die Stadt Dresden und die Verbindungen zwischen den Schumanns und der städtischen Musiktradition. Ergänzt wird das Ganze mit einem Geleitwort des renommierten Kammersängers Peter Schreier sowie mit Kapiteln namhafter Musik- und Schumann-Experten aus Dresden und Zwickau. Interviews mit Dresdner Künstlern wie Jan Vogler, Ekkehard Klemm oder Ludwig Güttler geben einen Einblick in die Dresdner Schumann-Rezeption des 21. Jahrhunderts und zeigen, welche Bedeutung Robert und Clara Schumann für die Stadt immernoch haben.

Zum diesjährigen Schumann-Fest im Palais im Großen Garten am 22. Juni (18 Uhr) wird der Bildband nun offiziell vorgestellt. Anwesend sein werden auch beteiligte (Ex-)Studenten, die vor sieben Jahren mit ihrem Projekt – und ausgehend von dem Eindruck, dass Dresden das Schumann-Erbe vielleicht nicht genug pflegt und die Bedeutung des Komponisten für die Stadt noch zu wenig herausstellt – den Anstoß zur Realisierung gaben. Im Anschluss an die Buchpräsentation findet an gleicher Stelle (19.30 Uhr) das jährliche Festkonzert des Sächsischen Vokalensembles zum Schumanngeburtstag statt.

Fotos & Text: Nicole Czerwinka

 

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