Farbenfrohes Opernkunstwerk

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Studenten singen Händels „Xerxes“ am Kleinen Haus

Georg Friedrich Händels „Xerxes“ (1738) ist ein alter Schinken der Operngeschichte. Das Stück kann keinem Genre eindeutig zugeordnet werden, schwebt irgendwo zwischen Barock und Rokoko. Die Oper handelt von dem persischen König Xerxes, der sich – so überliefert es schon Herodot – einst in die Geliebte seines Bruders verliebte. Doch bei Händel geht es weniger um den historischen Helden als vielmehr um einen König, der seinen Machtanspruch auch unabdingbar auf die Frau seines Begehrens anwenden will.

Jasmin Solfaghari hat die verworrene Oper nun zusammen mit den Studenten der Hochschulen für Musik (HfM) und Bildende Künste (HfBK) Dresden sowie der Hochschule für Musik und Theater Leipzig auf die Bühne des Kleinen Hauses (Foto: PR/HL Böhme) gebracht und dem Ganzen einen durchaus zeitgemäßen Anstrich verliehen. Ihre lebendige Inszenierung sorgt für knapp drei äußert kurzweilige Theaterstunden – und überzeugt mit einer ausgewogenen Mischung aus Komödie und Seelendrama.

Maira Bieler und Romina Kaap haben im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der HfBK dafür ein ebenso schlichtes wie sinnliches Bühnenbild entworfen, das mit orientalischen Ornamenten und raffinierten Lichteffekten spielt: Es ist eine Bühne, die auf klare Raum- und Zeitzuordnungen verzichtet, das Ganze irgendwo im Nirgendwo der langen Operngeschichte ansiedelt. Die Musik hingegen bleibt der Vorlage Händels treu. Franz Brochhagen führt das Hochschulsinfonieorchester mit dynamischer Geste, setzt starke Akzente und gestaltet vor allem die zahlreichen Tempowechsel äußerst spannungsreich. Alexandre Balzamo (Cembalo), Tabea Brode (Barockgitarre) und Sophia Dimitrow (Violoncello) verleihen dem Orchesterklang als Continuo dazu die typisch barocke Färbung.

Aus dem jungen Ensemble stechen in der Premiere (10.5.) vier Stimmen ganz besonders heraus: Patricia Osei-Kofi hat die typischen Männergesten des überheblichen Xerxes gut einstudiert und singt ihre Partie mit klarer, kraftvoller Stimme, deren warmes Timbre durch alle Gefühlslagen schimmert. Der Countertenor Sungwhan Sa gestaltet den Xerxes-Bruder Arsamenes als besonnene Gegenfigur – kann auch mit gefühlvollen Arien berühren. Maria König steht ihm dabei als zwar verführerische, dem Werben Xerxes aber souverän standhaltende Romilda gegenüber, die den König zunächst mit durchdringender Stimme auf die Schippe nimmt, ihm allerdings doch nicht gänzlich entfliehen kann. Teresa Suschke darf als intrigenspinnende Atalanta hingegen richtig aufdrehen, sich auch der Komik hingeben – und ergreift diese Chance etwa in ihrer Verzierungsarie im ersten Akt, bei der sie mit einem sehr dezenten Strip kokett mit den Unwägbarkeiten der barocken Opernpraxis spielt.

Die Melange aus Witz und Tragik bleibt in dieser Inszenierung gelungen ausgewogen, für Lacher sorgt dabei vor allem Philipp Schreyer als etwas tollpatschiger Diener Elviro. Am Ende hingegen zeigt sich doch auch eine nachdenkliche Schattierung der Oper: Zwar bekommt Amastris (Leandra Johne) ihren Xerxes zurück, doch dieser fühlt noch immer mehr zur für ihn unerreichbaren Romilda hingezogen, hat sich von seiner eigentlichen Braut indes entfernt. Der Premierenapplaus fällt begeistert aus – und das völlig zurecht, ist diese Lesart des ollen Händel doch pfiffig, hintersinnig und so farbenfroh, dass es eine Freude ist, zuzusehen und zu hören.

Nicole Czerwinka

Händels „Xerxes“ am Kleinen Haus Dresden, wieder am 15.5., 31.5., 5.6., 10.6., je 19.30 Uhr sowie am 15.6., 16 Uhr, 18.6., 19.30 Uhr und 29.6., 16 Uhr

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