Comeback der wilden Jahre

Lotos-Band2014

LOTOS, die „Depeche Mode der DDR“, sind zurück

Es gibt Momente, da meint man, die Zeit sei stehengeblieben, eingefroren und plötzlich wieder aufgetaut. So ähnlich muss es auch für die Mitglieder der Dresdner Band „Lotos“ 2013 (Foto: PR) gewesen sein. In jenem Moment, als die DDR-Combo aus den 80ern sich nach fast 25 Jahren Pause erstmals wieder in einem Probenraum traf – und dort die Hits von damals spielte. Zwischen 1987 und 1989 waren „Lotos“ als die „Depeche Mode“ der DDR, der Renner in den Jugendclubs und Diskotheken der Republik.

Die Dresdner Band wurde 1981 von Dieter Heidloß gegründet und hatte sich schon damals elektronischen Synthesizer-Klängen verschrieben. Der Durchbruch folgte nach einigen Umbesetzungen Ende der 80er. Heidloß übernahm von 1987 an das Management der Truppe, auf der Bühne standen seither Jörg Schurig (Gesang), Andreas „Goldi“ Goldmann (Synthesizer), Dirk Ebersbach (Keyboard/Synthesizer) und Michael Leonhardt (Gitarre).

Für den professionellen Sound mit Westaroma sorgte damals nicht nur die fundierte musikalische Ausbildung der Bandmitglieder (drei sind studierte Musiker), sondern auch Dieter Heidloß heißer Draht zur Westverwandtschaft in Hamburg, von wo aus die nötigen Instrumente und Gerätschaften in den Dresdner Probenraum wanderten. Allein über den findigen Import des Instrumentariums in die DDR könnte Heidloß viele Geschichten erzählen. Ebenso über Konzerterlebnisse von damals, sei es am Alexanderplatz in Berlin oder beim Musikvideodreh mit dem DDR-Fernsehen. „Das Drehbuch konnten wir freilich nicht beeinflussen, wir mussten einmal in Frack und Krawatte Theaterzigarren rauchen, widerlich“, erinnert sich auch Andreas Goldmann noch lebhaft.

Doch mit durchschnittlich 15 bis 20 Konzerten pro Monat konnten alle Beteiligten „richtig gut“ davon leben. „Die Band war wie eine Familie“, sagen sie noch heute etwas wehmütig. Neben den Depeche-Mode-Coversongs nahm „Lotos“ bald eigene Songs auf. Titel wie „Domino“ oder „Twisted life“ dürften noch manchem ein Begriff sein. Doch mit der Wende kam auch für „Lotos“ ein tiefgreifender Einschnitt. „Wir haben am 9. November 1989 in Sonneberg in Thüringen gespielt, auf einmal war der Laden leer. Wir haben erst am nächsten Tag erfahren, was an diesem Abend eigentlich passiert war“, erinnert sich Dieter Heidloß. Von da an ging es mit der Band bergab.

Die vier Musiker mussten sich für neue Projekte und Brotberufe öffnen. Jörg Schurig ging als Computer-Experte nach Kiel, Andreas Goldmann setzte die Studioarbeit für Werbung, Fernsehen und Theater in Dresden fort, Dirk Ebersbach gründete seine eigene Musikschule und Michael Leonhardt startete als Elektronikingenieur in der Musikbranche durch. Bandvater Dieter Heidloß setzte sein Wissen aus der Zeit mit „Lotos“ als Beschallungs- und Beleuchtungstechniker um. Doch die Band war vergessen, die Kontakte zwischen den Mitwirkenden größtenteils gekappt.

Bis ein ehemaliger Jugendclubchef aus Zwickau sich im vergangenen Jahr alter Zeiten mit der Band erinnerte. Den Feierlichkeiten zum 40. Bestehen des Zwickauer Stadtteils Neuplanitz wollte er mittels „Lotos“-Auftritt eine passende Portion 80er-Nostalgie verpassen – und fragte die ehemaligen Band-Mitglieder an, ob sie nicht noch einmal gemeinsam auftreten wollen. Die waren allesamt sofort dabei. Allein „Lotos“-Vater Dieter Heidloß blieb skeptisch. „Ich habe gesagt, das kann nicht gut gehen. Macht die eine Mucke und dann ist Schluss“, sagt er.

Dennoch traf sich „Lotos“ zu besagter Probe in Dresden. „Es hat sich sofort gut angefühlt, als hätte man gestern erst zusammen auf der Bühne gestanden. Sogar die Macken der anderen waren noch dieselben“, sagt Andreas Goldmann. Wenig später meldeten sich via Facebook auch Fans von damals, Fotos und Autogrammkarten aus den 80ern tauchten auf. Mit einem Mal war „Lotos“ wieder da – und beim Auftritt in Zwickau denn auch der frühere Bandchef Dieter Heidloß von der Sache überzeugt. Es soll weitergehen.

Nicht mehr so krachend wie in den 80ern, sondern langsam wollen die vier nun neu starten. Die erste Single ist schon fertig. „Niemandsland“ heißt der Titel, mit dem „Lotos“ nicht einfach wiederholen, was in den 80ern mal „in“ war, sondern es klanglich sachte weiterentwickeln. Dabei trägt dieser voluminöse Elektropop-Sound aber noch hörbar die Handschrift von damals. „Niemandsland“ ist seit dem 30. April – rein digital – veröffentlicht. Mitte Juni steht das nächste Konzert beim Stadtfest in Pirna an. Für das Fest in ihrer Heimatstadt Dresden konnten die vier ihre Terminkalender allerdings nicht vereinen, denn inzwischen hat jeder noch andere Projekte. „Das ist das Schöne, es geht niemandem ums Geld“, sagt Dieter Heidloß, der das Management der Band erneut übernommen hat. Auch ein neues Album soll im Laufe dieses Jahres entstehen. Eben fast so, als wäre vor 25 Jahren erst gestern gewesen …

Linktipp: www.lotoshome.com

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