Die Senkrechtstarter aus dem Marmorsaal

6.5.2013 Dresden

Dresdner Residenz Orchester feiert Geburtstag

Die Zeit rast. Igor Malinovsky sitzt an seinem Schreibtisch und muss schmunzeln. Genau ein Jahr ist es jetzt her, dass der smarte Violinist das Dresdner Residenz Orchester (Foto: PR) gründete. Malinovsky, der seit fünf Jahren als Professor an der Dresdner Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ lehrt, sinnt kurz nach, bevor er erzählt: „Ich hatte eigentlich weniger die Absicht, ein eigenes Orchester zu gründen, als vielmehr den Wunsch, etwas mit Musikern zu machen, die zu mir passen.“ Inzwischen ist sein Residenzorchester mit rund 110 Konzerten im Jahr und fünf eigenen Programmen zu einem festen Bestandteil des Dresdner Musiklebens geworden.

Die knapp 30 Musiker setzen sich aus renommierten (auch internationalen Künstlern), teils aus Staatskapelle und Philharmonie, sowie aus Musikstudenten zusammen. „Das ist eine gute, fruchtbare Mischung aus jugendlichem Esprit und hoher Professionalität“, findet Malinovsky. Die inhaltliche Ausrichtung der Programme bezeichnet der 36-Jährige gern als „leichte Klassik“. Er arbeitet für sein Orchester etwa Opern von Mozart, Puccini oder Verdi zu Kammermusikarrangements um, die kaum etwas an ihrer Voluminösität einbüßen und sich dennoch durch einen leichten, transparenten Klang auszeichnen. „Die Qualität des Ganzen hat immer die höchste Prämisse“, betont Malinovsky.

Für die Konzerte versucht der junge Orchesterchef und Musikprofessor immer wieder besondere Musiker und Talente zu entdecken. So wird Ende Mai (am 18. und 31.5.) beispielsweise eine junge Ausnahmegeigerin aus Spanien mit dem Dresdner Residenz Orchester musizieren. Als feste Solisten für das Orchester hat er die Münchner Sopranistin Veronica Amarres und den Hamburger Tenor Oscar Marin für die Programme gewonnen. „Die beiden passen einfach besonders gut zu uns“, begründet Malinovsky seine Auswahl.

Auf die Frage, wie er es geschafft habe, ein solches Orchester binnen nur eines Jahres auf die Beine zu stellen, antwortet der gebürtige Ukrainer mit einem Lächeln und einem Kopfschütteln: „Ich weiß es nicht“, sagt er schmunzelnd. Nach einem kurzen Moment der Stille gibt er schließlich zu: „Erst jetzt rückblickend sehe ich, wie riskant das eigentlich war.“ Von Anfang an habe das Dresdner Residenz Orchester drei Konzerte pro Woche gegeben. Ein hohes Risiko in einer Stadt wie Dresden, die vor Kulturangeboten überläuft. Dennoch trägt sich der Klangkörper ohne Fördergelder oder Sponsoren.

Die Programme für die nächsten zwei Jahre seien schon in Arbeit. Es gebe inzwischen auch viele Liebhaber, die die Konzerte des Dresdner Residenz Orchesters regelmäßig besuchen. Gerade die Leichtigkeit der Arrangements schaffe auch einen Zugang zur klassischen Musik, sagt Malinovsky. „Nur darf man nicht vergessen, dass es in diesem ersten Jahr durchaus Konzerte gab, in denen mehr Musiker auf der Bühne saßen, als Zuhörer im Saal. Das ist für alle bitter, aber wir haben es irgendwie durchgestanden – und wir sind immer noch da“, erzählt er stolz.

Inzwischen ist aus dem Galaprogramm des Orchesters schon die erste CD entstanden. Sie trägt den Titel „Walzerträume“ und vereint Werke von Emmerich Kálmán, Johann Strauß, Wolfgang Amadeus Mozart und Charles Gounod. „Wir würden in Zukunft auch gern noch viel mehr spielen, Ideen gibt es genug, aber wir haben einen hohen Qualitätsanspruch an uns selbst und den wollen wir nicht mit Quantität verwässern. Es muss langsam wachsen“, meint Malinovsky. Am kommenden Sonnabend (5.4.) steht nun das Geburtstagskonzert für das Orchester an, um 17 Uhr wird mit einem Galakonzert im Marmorsaal des Dresdner Zwingers musikalisch gefeiert. Igor Malinovsky wird zu diesem Anlass auch selbst spielen – und dabei zugleich den Auftakt ins zweite Orchester-Jahr geben.

Nicole Czerwinka

Linktipp und Konzertkalender: www.concerts-dresden.com

Elbmargarita verlost 2×2 Konzertkarten für das Galakonzert des Dresdner Residenz Orchesters am 20. April, 17 Uhr im Marmorsaal des Dresdner Zwingers: Einfach bis zum 15. April eine E-Mail mit dem Stichwort „Residenz Orchester“, Namen und Telefonnummer an elbmargarita[at]freenet.de senden. Viel Glück!

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