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Lesebühne „Phrase4“ bereichert Literaturlandschaft

Ein verräucherter Raum, ein abgewetztes Sofa, dazu passend die stilechte Retro-Lampe … Die Zuhörer sind genauso bunt zusammengewürfelt wie die Sessel, in denen sie sitzen: Sie trinken Kräutertee, Weißwein oder Bier aus Flaschen und lauschen den Worten vierer Dresdner Poeten – meist schmunzelnd, oft lachend, manchmal innehaltend und schluckend.

Die Autoren – Lars Hitzing, Francis Mohr, Henning H. Wenzel und Sabine Dreßler (PR-Foto v.l.) – haben sich der Unterhaltung ohne Schenkelklopfer und Klischees verschrieben, sie sehen sich als Band, die sich zu einer Jam-Session trifft, jeder hat sein eigenes, ganz spezielles Instrument. Sie erzählen vom erotischen Vergnügen des Bergsteigens, von Hundefleisch, Angstzuständen, siamesischen Zwillingen oder Pinguin-WGs. Dabei nehmen sie sich nicht allzu ernst, wollen aber ihrem eigenen Anspruch genügen, wenn es geht, ohne Staublunge.

„Was uns vereint, ist der Wunsch, etwas literarisch Sinnvolles zu machen“, erklärt Lars Hitzing. „Aber jeder geht es anders an und hat einen eignen Stil, das ist spannend.“ Ihn reizt das Skurrile, Unvorhersehbare, die Idee, wie Menschen reagieren, wenn sie in seltsame Situationen kommen. Im Dresdner Buchverlag veröffentlichte er den utopischen Roman „Drei Monde“. Wenn er nicht schreibt, geht er im Fantasy-Rollenspiel auf, keltert seinen eigenen Wein oder erklettert die Gipfel der Sächsischen Schweiz. Das Schreiben ist für ihn Hobby und zusätzlicher Ausgleich, eigentlich ist er Sozialarbeiter.

Die anderen Autoren lernte er bei der Literaturmesse Schriftgut kennen, dort gab es im November eine Short Stories Night, bei der sie alle lesen sollten. Henning H. Wenzel erinnert sich: „Ich hatte sofort das intensive Gefühl: Wir gehören zusammen! Der Rest hat sich dann gefügt wie Zahnräder in einem Getriebe.“ Er schlägt sich neben dem Schreiben mit verschiedenen Jobs durch, hin und wieder veröffentlicht er im Satire-Magazin „Eulenspiegel“, im letzten Jahr erschien bei Zwiebook seine erste Kurzgeschichtensammlung mit dem Titel „Späte Stunde der Wahrheit“. Henning H. Wenzel genießt beim Vorlesen vor allem die Reaktionen des Publikums, er schwärmt: „Wenn ich beispielsweise sehe, wie Leute während der Lesung die Augen schließen, um zuzuhören, ist das wunderbar.“

Sabine Dreßler, die einzige Frau im Bunde, hat früher viel lektoriert und den Erlebnissen von Menschen zu persönlichen Biografien verholfen. Diese Erfahrungen spiegeln sich in verrückten und unterhaltsamen Alltagsgeschichten: Beim Schreiben übt sie sich gern im „Katastrophieren“. „Die Frage ist doch: Wie kann man das Alltägliche von seiner Banalität befreien und somit hinterfragen? Man setzt es unter ein Brennglas und seziert so lange daran herum, bis nichts mehr daran normal und gegeben ist.“ Im Moment plant sie ihr erstes Buch, ansonsten arbeitet sie wissenschaftlich.

Dass sich das mit der Kreativität vereinen lässt, beweist auch Francis Mohr. Der Psychologe hat viele Jahre Stücke geschrieben und Theater gespielt: Seine Bühnenfassung von Theodor Storms „Schimmelreiter“ wurde im Landestheater Parchim aufgeführt. Später recherchierte er mehrere Jahre für „Martha-Heinrich-Neun“, ein Stück über die Bombardierung, doch bisher wurde es nicht inszeniert. Seinem ersten veröffentlichten Roman folgte ein Wendebuch mit Kurzepisoden des Kommissars „Kafka“, dem man auch bei der „Phrase4“-Lesung begegnen kann.

Primär geht es ihnen allen ums Schreiben, auf der Bühne testen sie dann die Reaktionen. Mit gekonnter Betonung geht jeder einzelne in seinen Geschichten auf und schafft eine Brücke zum Publikum, die die literarischen Grenzen erweitert. In eine ihrer Geschichten bauen die Autoren jedes Mal eine vorher festgelegte Phrase ein. Der Zuhörer, der sie findet, wird mit einem Geschenk belohnt. „Das steigert unendlich die Aufmerksamkeit“, scherzt Henning H. Wenzel.

Der nächste Leseabend findet am 15. April in der „Veränderbar“ statt.

Linktipp: www.phrase4.de

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