Muckefuck war gestern

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Kulturelles WG-Hopping sucht Mitstreiter

Der Kopf ist schwer, die Augenlider klappen immer wieder zu, die Konzentration hat schon vor über einer Stunde den Feierabend beschlossen – aber die Arbeit wird und wird nicht weniger. Der braune Wachmacher Kaffee soll es richten. Das grelle Klingeln des Löffels in der Tasse wäre normalerweise schon Weckruf genug, doch heute ist es anders. Heute klingt es melodiös, schon fast musikalisch und verleitet zum Träumen von fernen Orten und ganz anderen Dingen.

So oder so ähnlich erging es wohl auch Anna-Maria Buchgraber (Foto: Silvana Arndt), als sie im Herbst mit Freunden in der WG saß und eigentlich nur eine kurze Kaffeepause einlegen wollte. „Wir hatten uns gerade den Kaffee eingegossen, als einer meiner Freunde plötzlich von einer Idee gepackt wurde und auf dem Küchentisch anfing, rhythmisch zu trommeln. Das hat uns andere so mitgerissen, dass wir alle einstiegen. Es war ein großer Spaß, sich von dieser Spontanität anstecken zu lassen – allerdings ist darüber unser Kaffee kalt geworden“, erinnert sich die 20-Jährige heute lachend. Aus diesem Moment der Inspiration entstand der Gedanke, dem sicherlich oft vorhandenen, aber selten an die Öffentlichkeit gelangenden, kreativen Potenzial verschiedenster WGs eine Bühne zur Verfügung zu stellen. Wie gut, dass Anna-Maria Buchgraber ohnehin gerade ihren Bundesfreiwilligendienst an der Landesbühnen Sachsen absolviert und in diesem Rahmen ein eigenes Projekt umsetzen muss. Schnell fand die ursprüngliche Bayerin Unterstützung bei ihren Kollegen und so wurde „kalter kaffee“ geboren.

„Es ist sehr spannend und aufregend, ein so großes Projekt umzusetzen. Erst war es wirklich nur als eine Art Bühnenauftritt geplant, jedoch entwickelte sich das Ganze schnell zu einem richtigen kleinen Festival“, erzählt sie begeistert. Die mit einem solchen Unterfangen einhergehenden Schwierigkeiten, wie das Anschreiben und Anwerben von Sponsoren oder die Kalkulation der von den Landesbühnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel sind schnell vergessen, wenn sie an die Arbeit mit den WGs und deren Bewohnern denkt. „Das Ansprechen und Planen mit diesen kreativen Köpfen ist wirklich toll und macht dann manche Unsicherheit auch wieder wett. Außerdem stehe ich auch nicht alleine da. Meine beiden Mentoren Andreas Mihan und Wiebke Nonne sind mir bei allen Fragen eine große Hilfe“, berichtet die junge Frau dankbar.

Nun beginnt für „kalter kaffee“ die heiße Phase, denn in wenigen Wochen, am 26. und 27. April, wird das kleine aber feine Kulturfestival der etwas anderen Art endlich verwirklicht. Geplant ist, dass alle Interessierten und Zuschauer sich am Samstag um 18 Uhr im Kukulida e.V. in der Dresdner Neustadt treffen, wo die Veranstaltung ihren Startpunkt hat. Von dort aus kann sich das Publikum auf die verschiedenen WG-Standorte verteilen und dort rotierend die etwa zehn Minuten dauernden Präsentationen abwechselnd genießen. Ob es ein eigenes Theaterstück ist, was seine Urauffindung im Wohnzimmer haben wird, ein gepfefferter Poetry Slam zwischen den WG-Mitbewohnern in der hauseigenen Küche ist oder ob den Gesangskünsten unter der Dusche gelauscht werden darf. „Jede Art der Kunst ist willkommen. Und wenn sich die WG-Bewohner gegenseitig bunt anmalen!“, lacht Anna-Maria.

Es verspricht also ein herrlich buntes Treiben zu werden. Und noch werden dafür Anmeldungen williger Wohngemeinschaften angenommen. Wer sich also denkt, dass seine WG wie geschaffen für dieses Festival ist und er gerne seine Türen für das kunstbegeisterte Publikum öffnen möchte, der sollte sich schnellstens unter www.landesbuehnen-sachsen.de/junges-studio die Anmeldeunterlagen runterladen und diese bis zum 19. März an kalterkaffee[at]mail.de schicken. Die Teilnehmer müssen sich auch nicht um sonst kulturell verausgaben, denn nach dem Samstag, welcher unter dem Zeichen des Genusses steht, folgt am Sonntag eine spannende Abstimmung! Sowohl das Publikum als auch eine Fachjury werden hier die beste WG gemeinsam ausloten und auszeichnen. Denn abschließend wartet noch eine Belohnung auf den Gewinner. „Es wird einen Geldpreis und dazu noch eine große Überraschung geben, welche jetzt aber noch nicht verraten wird“, deutet Anna-Maria Buchgraber schelmisch grinsend an.

Für die anderen Anwesenden gibt es aber natürlich auch noch eine kleine Entlohnung in Form von leckerem Kaffee & Kuchen und fetziger Live-Musik. Verschiedene lokale Bands werden sich die Ehre geben und den Gästen den Sonntag noch einmal zusätzlich rocken. Auch hierfür kann man sich bis zum 19. März per Email bewerben.

Es lohnt sich also, an diesem Wochenende mal den Sonntagskaffeeklatsch mit den Freunden ausfallen zu lassen, um ein Teil dieses ungewöhnlichen Projektes voller kreativen Frischfleisches zu werden. Wer dennoch meint, einen zusätzlichen Wachmacher zu benötigen, kann diesen natürlich gerne mitbringen. Allerdings auf eigene Gefahr – denn der wird bei diesem reichhaltigen Angebot an Kulturkicks sicherlich kalt werden!

 Linktipp auf Facebook: www.facebook.com/junges.studio

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