Folgen einer Affäre

Elisabeth Holmer, Sängerin
Elisabeth Holmer (Mitte) gibt szenischen Unterricht und schreibt selbst kleine Stücke für die Studenten der Dresdner Musikhochschule.

Wie „My Fair Lady“ zu „My Lady’s Affair“ wurde

Diese Ansage ist deutlich: „Macht es ganz groß und ganz übertrieben“, rät Professor Elisabeth Holmer ihren Studenten auf der Probebühne der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber (HfM). Nach der kurzen Unterbrechung gehen die Proben für das Schauspiel „My Lady’s Affair“ auch schon nahtlos weiter. Die Dozentin für szenisches Sprechen ist mit vollem Eifer bei der Sache, gibt nur ab und kleine Hinweise, während ihre Studenten in ihren Rollen agieren. Holmer weiß genau, wo sie mit dem Stück hinwill, schließlich stammt das Buch dazu auch aus ihrer Feder.

Nach der Vorlage von Frederick Loewes berühmten Musical „My Fair Lady“ hat die Professorin ein pfiffiges, modernes Stück für ihre Studenten gestrickt. „Das Musical beruht auf George Bernhard Shaws Stück ‚Pygmalion‘ und dieses wiederum hat er für eine Londoner Schauspielerin geschrieben, in die er sich mit 56 Jahren verliebte, obwohl er verheiratet war“, erzählt Elisabeth Holmer. Bis zum Tod der Schauspielerin blieb Shaw mit ihr durch einen intensiven Briefwechsel verbunden. Als eine Freundin diese Briefe anschließend in einer Hutschachtel unter dem Bett entdeckte, entstand daraus wiederum ein Schauspiel, nämlich Jerome Kiltys „Geliebter Lügner“.

Die Adaption „My Lady’s Affair“ verarbeitet nun beide Stücke – das Original von Shaw und die Hintergründe zur Entstehung von dessen „Pygmalion“. „Ich habe den ‚Pygmalion‘-Teil umgeschrieben und auf den heutigen Hochschulalltag bezogen. Dabei wird in meiner Version der reale Briefwechsel dem fiktiven Stück gegenübergestellt“, sagt Holmer. Es gehe ihr auch darum, zu zeigen, dass das Schauspiel aus dem Leben entstanden ist. „Die reale und die fiktive Ebene verweben sich immer mehr miteinander, bis sie kaum noch zu unterscheiden sind – und Higgins als Kunstfigur lernt am Ende aus dem realen Briefwechsel“, erzählt Holmer.

Schon in der Probe wird der Spaß, den die Studenten an dem ironischen Spiel haben, spürbar. Dass dieses Stück – anders als das Musical – bis auf einen kleinen Rap zur bekannten Weise „Es grünt so grün“ ganz ohne Musik auskommt, scheint hier niemanden zu stören und ist auch Sinn und Zweck der Sache.  „Auch Sänger müssen im Laufe des Studiums mindestens einmal auf der Bühne stehen, ohne zu singen, damit sie sich nicht auf die Stimme konzentrieren, sondern ganz dem Spiel widmen können“, sagt Holmer. Schließlich suchen Theater heute nicht nur gute Sänger, sondern immer auch Darsteller, die das Spiel auf der Bühne beherrschen. „Die Hochschule hat die szenische Sprechausbildung deshalb fest im Curriculum des Gesangsstudiums verankert“, so die Dozentin.

So kommt es auch, dass Produktionen wie „My Lady’s Affair“ inzwischen zum festen Programm der HfM dazugehören. In den vergangenen beiden Jahren hatte sich Elisabeth Holmer mit ihren kurzen Schauspielstücken immer auf die große Opernproduktion der HfM im Kleinen Haus bezogen. Vor der Premiere von Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ im Jahr 2012 führte sie auf der Probebühne Regie für „Die Figaroromanzen“, im vergangenen Jahr brachte sie mit den Studenten passend zu Verdis „Falstaff“ im Kleinen Haus „Flying Falstaff“ in der Musikhochschule auf die Bühne. Die Bücher dazu schrieb sie alle selbst. „Das macht mir große Freude und auch die Regiearbeit ist herrlich“, schwärmt die Professorin in der Probenpause.

Mit „My Lady’s Affair“ hat sie nun erstmals ein von der jährlichen Opernproduktion unabhängiges Stück geschrieben. „Es eignet sich einfach prima für eine solche Produktion – außerdem habe ich die Partie der Eliza in ‚My Fair Lady‘ selbst schon mehrfach gesungen“, erzählt sie. Die Zuschauer können sich nun ab Montag (10.3.) selbst auf diese moderne Musicaladaption auf der Probebühne einlassen. Bei freiem Eintritt kann man dort auf einem der 50 Papphocker Platz nehmen, um die wahre Geschichte über „My Fair Lady“ zu erfahren und zu sehen, dass auch Sänger schauspielern können.

„My Lady’s Affair“ auf der Probebühne der HfM, Premiere am 10.3., 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen am 15.3., 19.30 Uhr, 16.3., 16 Uhr in der Probebühne und am 17.3., 18 Uhr im Sächsischen Landesgymnasium für Musik (Aula), vorherige Anmeldung unter: 0351/4923696

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