Voller Vorfreude auf das Neue

Operettenmatinee

Staatsoperette lädt zu Matineé zum Neubau

Noch dreimal blühen im Wiener Prater die Bäume, bevor die Staatsoperette Dresden und das Theater Junge Generation im Kraftwerk Mitte eine neue Heimat finden. Bis 2016 soll der ehemalige Industriestandort am Wettiner Platz in ein Kulturzentrum verwandelt werden. Seit September 2013 steht das nun fest. Die ersten Bagger rollen in diesem Jahr an und die Vorfreude auf das, was hier entstehen wird, ist schon jetzt auf allen Seiten riesig. Das zeigte sich auch bei der „Matineé zum Operetten-Neubau“ am Sonntag (5.1.) in der Staatsoperette Dresden.

Vor ausverkauftem Saal (die Karten gab es als Neujahrsgeschenk kostenfrei) lud Intendant Wolfgang Schaller hier mit Ausschnitten aus dem diesjährigen Neujahrskonzert nicht nur auf eine musikalische Reise ins ferne Wien, sondern auch auf eine vorfreudige Ausfahrt in die Zukunft am Wettiner Platz ein. Bildprojektionen von lichten Konzert- und Theatersälen im backsteinummantelten Kraftwerk säten im Wechsel mit Operetten- und Walzerschlagern von Strauß bis Seiter dabei wahrhaft Vorfreude in Leuben.

Nur eine der Hauptbeteiligten fehlte an diesem beschwingten Vormittag. Felicitas Loewe, die Intendantin des Theater Junge Generation, musste das Krankenbett hüten und ihre Teilnahme kurzfristig absagen. Wolfgang Schaller ließ in Vertretung jedoch keinen Zweifel daran, dass die beiden Theater unter der Regie der Stadt Dresden dieses große, längst überfällige Projekt nun „gemeinsam schaffen“ werden.

Mit von der Partie war zudem Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), die in ihrer Funktion als Schirmherrin auch für die Spendenaktion „Mein Name auf einem Stuhl“ sprach. Bei dieser Aktion haben bislang über 100 Stühle der künftigen „Operette im Zentrum“ einen Namenspaten gefunden. Genau 500 Euro kostet die Spende für solch einen Stuhlnamen. Ein großer Brocken freilich, den die Dresdner Bürgerschaft im Sinne von mehr Kultur im Zentrum da leisten soll.

Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Werner Patzelt ist seit einem Jahr Vorsitzender des Förderforums der Staatsoperette Dresden. Er appellierte in diesem Zusammenhang noch einmal an die Ehre jener Bürger, die sich nicht nur kostengünstig berieseln lassen, sondern an der Vielfalt des kulturellen Lebens in ihrer Stadt auch mitwirken wollen. „Engagement ist der Keim einer aktiven Gesellschaft“, sagte Patzelt – und verwies darauf, dass noch über 500 Stühle auf engagierte Namenspaten warten.

Heiko Lachmann zeigte sich als Vorstand der Ostsächsischen Sparkasse Dresden ebenfalls um Kulturförderung bemüht. Zur Matineé erinnerte er sich an seinen ersten Operettenbesuch und betonte einmal mehr, dass dieses Haus nach knapp 67 Jahren im Leubener Exilprovisorium dringend neue, gute Räume brauche. Ensemblemitglied und Personalrat Gerd Wiemer dagegen holte noch einmal jene trüben Zeiten ins Gedächtnis zurück, als 2002 die Schließung der Staatsoperette drohte. Das Ensemble selbst sammelte damals in der ganzen Stadt 106 000 Unterschriften gegen die Schließung dieser deutschlandweit einmaligen Spielstätte. Mit Erfolg.

Der größte und mit Abstand herzlichste Applaus des Vormittags galt folglich nicht dem mitreißenden Spiel des Orchesters der Staatsoperette Dresden, das unter der Leitung von Christian Garbosnik einen schmissigen Querschnitt durch die traditionelle Wiener Unterhaltungsmusik präsentierte. Er galt auch nicht den Rednern, den Moderationen von Elke Kottmair (Sopran) oder Steffen Schantz (Tenor), sondern dem Engagement aller Mitarbeiter der Staatsoperette, die für den Neubau seit 2009 auf 8 Prozent ihres Gehaltes verzichten. Mit diesem Verzicht, der bis 2021 vereinbart ist, werden die Mitarbeiter knapp ein Drittel der Bausumme aufbringen, was das Publikum lautstark honorierte.

Am Schluss des vergnüglichen Vormittages stand – wie in Wien vor fünf Tagen und alle Jahre wieder – der Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater. Wie an der Donau stimmte auch hier das Publikum klatschend mit ein, bis ein silbernes Feuerwerk im Zuschauerraum den Schlussakkord markierte. Mit einem Glas Sekt durften die Anwesenden anschließend im viel zu kleinen Operettenfoyer auf das langerhoffte Ergebnis jahrelanger Diskussionen anstoßen – in freudiger Erwartung, dass der Neujahrsstart zur 70. Nachkriegssaison des Hauses 2017 endlich im Herzen der Stadt gefeiert werden kann.

Nicole Czerwinka

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