Opern-Sitcom unter der Hibiskusblüte

Cosi_szene12_2013

Szene12 führt Mozarts „Così fan tutte“ auf

Der Dresdner Verein szene12 ist ein schönes Beispiel dafür, wie junge kreative Kunst in der Stadt wachsen kann. Im vergangenen Jahr lockte der Verein mit seiner unkonventionellen Interpretation von Mozarts erster, heute kaum noch gespielter, Oper „Apollo und Hyazinthus“ (1764) in drei Aufführungen rund 300 Besucher ins Labortheater der Dresdner Hochschule für Bildende Künste.

In diesem Jahr führen die jungen Sänger – das gesamte Team besteht aus Musik-, Kunst- und Regiestudenten aus Dresden und anderen Städten – zusammen mit Regisseur Toni Burghard Friedrich und dem musikalischen Leiter Michael Blessing nun an selber Stelle Mozarts bekannte Verwechslungsoper „Così fan tutte“ (1790) auf. Was bleibt, ist der harte Kern des Vereins szene12, der mittlerweile aus etwa zehn aktiven Mitgliedern besteht, sowie die Absicht, einmal im Jahr eine junge Oper für Dresden auf die Bühne zu bringen, die sich von den üblichen Repertoireproduktionen großer Theater, aber auch der alljährlichen Inszenierung der hiesigen Musikhochschule (HfM) am Kleinen Haus deutlich unterscheidet.

„Così ist uns deswegen ins Auge gefallen, weil sich die Partitur für eine studentische Produktion gut eignet und weil es viele Kammerversionen dieser Oper gibt“, sagt Toni Burghard Friedrich, einer der Gründungsväter von szene12, der selbst Regie für Theater und Oper in Wien studiert. Anders als bei „Apollo und Hyazinthus“ im vergangenen Jahr, gibt es bei der diesjährigen Produktion jedoch ein richtiges Orchester, das aus sieben Studenten der HfM zusammengesetzt ist. War die erste Produktion des Vereins mit 500 Euro Startkapital noch ein typisches Low-Budget-Projekt, so haben die Studenten in diesem Jahr erstmals Sponsoren und private Spender gefunden, um ihr Projekt auf noch professionellere Beine stellen zu können.

Neben der Webseite kursieren derzeit altrosa Werbepostkarten zum Stück (Foto: PR) in der Stadt, auch wird es dieses Mal fünf statt nur drei Vorstellungen sowie ein deutlich dickeres Programmheft mit wissenschaftlichen Gastbeiträgen geben. Karten für die Oper sind erstmals an nahezu allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Die Inszenierung selbst sei eine „Hinterfragung der Kunst von Oper und Film“, erzählt Toni Burghard Friedrich. Die vom szene12-Team gewählte Kammerversion der Oper sei von Richard Strauß beeinflusst und wirke insgesamt sehr leicht und frei. In ihrer Interpretation treffe amerikanische Sitcom auf europäische Oper, sie präsentiere damit eine Sichtweise auf die Oper, „die es ganz sicher nicht gab“, so Friedrich.

Für die Inszenierung der szene12-Arbeiten nimmt er die Stücke komplett auseinander, tauscht hier und da Arien, fügt mitunter Fremdes ein, bis daraus ein ungewöhnliches Opernerlebnis entsteht. „Wir wollen ja gerade diese Herangehensweise, die bekannte Repertoirestücke neu hinterfragt“, erklärt der junge Regisseur die Absicht des Vereins. Bei der Produktion im vergangenen Jahr sei das sehr gut bei einem unerwartet breit gestreuten Publikum angekommen. „Da waren sogar Leute dabei, die seit über 40 Jahren nicht mehr in der Oper waren und es toll fanden, auch Familien“, so Friedrich. Er hat keine Angst, dass das Publikum seine Mozart-Inszenierung, die mehr eine Show als eine Oper sei, verreißt. „Die Oper ist in Dresden lange schon nicht mehr aufgeführt worden, und wenn jemand kommt und sagt: ‚So geht das nicht!‘, fände ich das auch ganz reizvoll“, sagt er.

Nicole Czerwinka

Linktipp: www.szene12.de

Szene12 im Labortheater: Mozarts „Cosi fan tutte“, am 26., 28., 30.9. sowie am 2.10., je 20.15 Uhr und am 3.10. um 16 Uhr, Karten gibt es zu 15 (ermäßigt 8 Euro) an allen bekannten Vorverkaufsstellen

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