Von Künstlern, Gauklern und Phantasten

16. Schaubudensommer in der Neustadt

Es ist ein buntes Festival der Kulturen fernab der Dresdner Touritempel, das den Scheunehof seit nunmehr 16 Jahren jeweils elf Tage lang im Juli in ein kleines Wunderland verwandelt. Mit viel Liebe zur skurrilen Kleinkunst haben die künstlerischen Leiter des Schaubudensommers, Helmut Raeder und Heiki Ikkola, dieses Kleinod der Phantasie inzwischen zu einem Anziehungspunkt für Publikum aus allen Dresdner Stadtteilen gemacht.

Ihr internationales Sommerfestival für Theater, Vergnügen und Musik lockt dieses Mal vom 4. bis zum 14. Juli mit einer Vielzahl von komischen, zauberhaften, skurrilen und hintersinnigen Vorstellungen (Foto: em.-Archiv/2010). Neustädter Urgesteine wie „Annamateur“ und die „Compagnie Freaks und Fremde“ behaupten dabei ebenso wie international renommierte Gruppen ihren Platz im Programmheft. So werden auch Künstler aus Russland, Spanien, Chile, Frankreich, den Niederlanden, USA, dem Iran, Großbritannien und Australien das Dresdner Publikum in diesen elf Tagen verzaubern.

Ihre halbstündigen Auftritte überwinden Ländergrenzen dabei meist ganz ohne Sprache, mit den viel wirkungsvolleren Mitteln der Kunst. So lassen etwa Anton Adassinsky und Pavel Semchenko, die beiden Gründer der legendären St. Petersburger Theater „Derevo“ und „Akhe“, in ihrer Show den Harlekin spielen, tanzen und verweilen, bis ein ewiger Zweifler seine leichtfüßigen Träume durchkreuzt. Ganz ohne Worte erzählen sie über Höhenflüge, Tränen, die Liebe und über die Verlegenheit, direkt zu sagen, was man denkt – und zeigen dabei 1000 Gründe auf, warum es nicht jetzt … nicht so … und besser ist, überhaupt nicht zu tun (4./5. Juli, ab 20 Uhr).

Chaotische Konzerte für Kontrabass, Trompete und Maracas hat dagegen das französische Duo „Les Happy Day“ im Gepäck. Getreu dem Motto „Don’t worry, everything is worse“, strotzt ihr Auftritt derart vor Tollpatschigkeit, dass beim Publikum wohl einige Lachtränen kullern werden (10.-14. Juli). Aus Dresdner Schrottfundstücken recycelte Klanglandschaften bringt das Musikduo Jan Heinke (Stahlcellist) und Demian Kappenstein (Trommler) zu Gehör (4.-7. Juli), während „The Fuck Hornisschen Orchestra“ mit infantiler Freude auf billigen Spielzeuginstrumenten musiziert (4./5. Juli).

Wie in den vergangenen 15 Jahren verbirgt sich auch anno 2013 in schönster Schaubudenmanier in jedem Zelt und hinter jedem Vorhang eine andere Kuriosität, verpackt in pantomimische, figürliche, tänzerische oder musikalische Darstellungsweisen. Die wahre Weite dieses Wunderlandes im vergleichsweise kleinen Scheunehof ist wohl kaum auf diesen Zeilen zu beschreiben. Sie eröffnet sich nur dem, der eintritt, um sich einen Abend (oder mehrere) lang davon verzaubern zu lassen.

Nicole Czerwinka

Linktipp: www.schaubudensommer.de

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