Russische Sehnsucht an der Manufaktur

„Klassik Picknickt“ zum Sechsten

Das ist Dresden wie es leibt und lebt: Die Sächsische Staatskapelle Dresden lädt zusammen mit der Gläsernen Manufaktur im Herzen von Elbflorenz zur russischen Nacht (15.6.) unter freiem Himmel ein – und alle kommen. Mit Decken und Picknickkörben strömen sie zur sechsten Auflage von „Klassik Picknickt“ herbei. Hier trifft Kenner auf Genießer, Klassikliebhaber auf Junggesellenabschied. Dass 3500 verkaufte Karten auf dem Gelände der Automobilfabrik da nicht ausreichen, kann kaum verwundern – tatsächlich sind auch die 300 Abendkassenkarten schon 19.30 ratzeputz ausverkauft.

Heim geht deswegen aber niemand, schnell entfalten die klassikinteressierten Picknicker stattdessen ihre Decken auch auf der Wiese gegenüber, zaubern Sekt, Brote oder Süßigkeiten aus ihren Körben, schlagen Campingstühle auf dem Fußweg vor der Manufaktur auf oder platzieren sich etwas abseits auf den angrenzenden Rasenflächen im Großen Garten. Denn ab 21 Uhr servieren die Gläserne Manufaktur und die Staatskappelle unter sommerlichem Himmel ein auserlesenes Musikprogramm. Hier steht dieses Mal kein geringerer als Schostakowitsch-Kenner Michail Jurowski am Pult, als Solist betritt später Sergei Nakariakov, auch als Paganini der Trompete bezeichnet, die Bühne.

Bei solch großer Kunst für wenig (fünf Euro Eintritt!) oder gar kein Geld stört nicht einmal die in kurzen Abständen sachte vorbeisäuselnde Straßenbahn – die Verkehrsbetriebe haben ihre Fahrer in Höhe der Manufaktur während des Konzerts zum Langsamfahren angehalten – den Musikgenuss. Das zuvor an alle, auch die Außenpicknicker, verteilte Programmheft informiert neben Moderatorin Bettina Volksdorf über diesen Abend, an dem sehnsuchtsvolle Melodien von Schostakowitsch, Mussorgsky, Arutjunjan, Böhme, Glinka und Tschaikowski durch die Sommerluft flattern und in reinem Ton auch jenseits der Lennéstraße ankommen. Sogar die Getränkeverkäufer finden den Weg bis dahin, sodass es diesem gediegenen Klassikpicknick an nichts fehlt – außer vielleicht an einer guten Platzlösung bei weiterer Publikumszunahme in den nächsten sechs Jahren.

Fotos & Text: Nicole Czerwinka

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