Schelmisches Puppenspiel vom Menschsein

Werkschau der Compagnie Freaks und Fremde

Ein bisschen anders, ein bisschen verrückt, dabei gleichzeitig berührend, schelmisch, derb und weise – das ist Theater der „Compagnie Freaks und Fremde“. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich das ganz und gar nicht spießige Puppenspielerduo Heiki Ikkola und Sabine Köhler aus Dresden. Wie in einem „künstlerischen Labor“ denken sich die beiden seit 1997 Theaterprogramme aus und forschen dabei bis heute an sich selbst, wie sie sagen. Ihre Geschichten entstehen auf Reisen, im Dialog mit verschiedenen Theatermaterialien oder purzeln ihnen ganz schlicht im Alltag über den Weg. Nur eines haben sie alle gemeinsam: Sie erzählen von den großen und kleinen Unmöglichkeiten des Menschseins, loten Normen aus und bezaubern die Zuschauer mit einem Übermaß an Phantasie (Foto aus MASCARA: PR/Max Messer).

„Wir machen grenzenloses Theater, es ist aber kein Gemüsegarten. Es ist nicht beliebig, sondern frei in der Wahl der Mittel“, erzählt Heiki Ikkola über die Arbeit der Compagnie. Zusammen mit Sabine Köhler will er seinen Zuschauern keinen belehrenden Zeigefinger entgegenstrecken, sondern mit seinen Stücken viel lieber berühren. „Die Zuschauer sind Voyeure, leben ihre Faszination mit dem Abnormen aus. Mit Puppen ist es möglich, so etwas zu zeigen und auch darüber zu lachen“, ergänzt Sabine Köhler. So widmet sich das Stück „Freakshow“ beispielsweise der Frage: Was ist normal? – und stellt dabei Sonderlinge mit ihren merkwürdigen Fratzen in den Mittelpunkt. Die „Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor“ dagegen erklärt auf spielerische Weise, wie das Leben funktioniert und dass der Tod ein natürlicher Teil davon ist.

In der Vorbereitung dieser Programme steckt so manche mühevolle Nachtschicht. Freizeit und Arbeit gehen für die beiden Künstler, die unter anderem auch vom Dresdner Schaubudensommer bekannt sind, Hand in Hand. So sind zum Beispiel die Puppen der Compagnie alle samt von Sabine Köhler selbst angefertigt. Von Dresden aus reisen diese dann mit ihren beiden Compagnie-Eltern nicht selten quer durch die Welt. „Das Reisen passt für mich super zum Theatermachen. Das gibt mit Wellen von Spannung und Entspannung. Und wenn man zurückkommt, sieht man Dinge, die man vorher gar nicht mehr gesehen hat, wieder ganz neu“, meint Heiki Ikkola.

Doch auch für die Zuschauer ist jede Aufführung der „Compagnie Freaks und Fremde“ so etwas wie eine kleine individuelle Reise für sich. Wer Lust bekommen hat, sich darauf einzulassen, der kann schon mal die Phantasie-Koffer packen. Denn unter dem Motto „Acht Stücke in vier Tagen: Ein langes Wochenende voller Chaos und Liebe, echtem Mut und falschen Hörnern“, versprechen die beiden bei einer Werkschau im Rahmen des OFF-Theaterfestivals vom 6. bis zum 9. Juni am Dresdner Societaetstheater einen bunten Querschnitt durch ihr Programm. Neben eigenen Inszenierungen sind hier auch Koproduktionen und künstlerische Begegnungen der beiden mit anderen Theatern und Compagnien zu erleben. Vom bissig interpretierten Märchen bis hin nachdenklichen Fabel übers Altern ist alles dabei.

Nicole Czerwinka

Linktipp: www.freaksundfremde.blogspot.de

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