Richard Wagner als „Rahmenprogramm“

Wagners Spuren (4): Das Geburtstagsfest

Einen prominenten Geburtstag feiert man am besten mit prominenten Gästen. So jedenfalls hätte es Dresdens ehemaligem Hofkapellmeister Richard Wagner (1813-1883) wohl gefallen – und so hat er es von seiner zweiten Heimatstadt zum 200. auch bekommen. Seit langem schon waren die beiden Geburtstagskonzerte der Sächsischen Staatskapelle Dresden zu Ehren des Komponisten ausverkauft. Sowohl am 18. Mai in der Frauenkirche als auch am 21. Mai in der Semperoper erklangen dabei vor allem die Werke mit Dresden-Bezug unter der Leitung des viel gerühmten Wagner-Dirigenten und –Nachfolgers Christian Thielemann.

Beim Konzert in der Semperoper konnte gestern sogar ganz Dresden mitfeiern. Tausende Menschen hatten sich am Abend auf dem Theaterplatz versammelt, um die Liveübertragung des Konzertes auf der Videoleinwand zu verfolgen. Zuvor wurde dieses groß angekündigte „Wagner-Geburtstagsfest“ von einem Gratulanten eröffnet, der normalerweise eher nicht mit Wagner und seinem ewigen Opernschaffen assoziiert wird:  Der Dresdner Kabarettist Olaf Schubert huldigte dem großen Komponistensohn der Stadt dennoch unter dem Motto „klassisch anders“ auf seine humorvolle Weise und erklärte das eigentliche Konzert kurzerhand augenzwinkernd zum „Rahmenprogramm“ des Abends.

Feierlich, und ausnahmsweise mit Sakko über dem Pullunder, erklärte Schubert auf dem Theaterplatz, was ihn alles mit Wagner verbindet: „Er wirkte in Dresden, hat Musik gemacht und ein Instrument gespielt, ich spiele sogar zwei“, so der Künstler, der es als seine Aufgabe verstand, vor der Oper das „Wissen über Wagner gerecht unter den Bedürftigen zu verteilen“. Schuberts rhetorische Akrobatik durchturnte dabei nahezu alle Wagner-Klischees – vom künstlerischen „Zentralmengenge“ bis zur Erkenntnis, dass Wagner durchaus nicht immer „moralisch tipptopp“ war.

Nach fast einer Stunde dieser ungewohnt humoristischen Wagnerbetrachtung standen dann aber doch die Stars in der Oper im Mittelpunkt. Neben Christian Thielemann war das beim Konzert in der Semperoper vor allem Jonas Kaufmann, einer der besten Wagner-Tenöre unserer Zeit. Zusammen mit der Staatskapelle Dresden führten diese beiden durch die Ouvertüren und großen Tenorszenen aus den Dresdner Wagner-Opern „Rienzi“, „Der fliegende Holländer“, „Tannhäuser“ und „Lohengrin“. Und auch wenn der Versuch, die Dresdner auf dem Theaterplatz in der Pause selbst in einen großen Wagner-Chor zu verwandeln, ob der Text- und Melodieunsicherheit grandios scheiterte, so bleiben doch erstaunlich viele bis zur Zugabe der Open-Air-Videoübertragung vor der Oper stehen.

Jenen, die nicht darunter waren, bietet sich am Sonntag (26.5.) noch eine Gelegenheit zur Wagnerischen Rückschau per Fernsehen. Das Konzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden, die nicht nur zu Wagners Zeiten ein musikalischer „Exportschlager“ war, wird dann noch einmal auf ARTE (18.30 Uhr) ausgestrahlt, ebenso wie in 14 Länder der Welt. Nur das wahre Geburtstagsfest inklusive Schubert-Wagner-Begegnung vor der Oper, das bleibt allein den Dresdnern vorbehalten.

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