Schloss Bellevue und Villa Augustin

Schon Erich Kästner war „Bürger Europas“

Es ist sicher ein Zufall, dass Bundespräsident Joachim Gauck die „gemeinsame Identität“ Europas in seiner Rede am Freitag einen Tag vor dem Geburtstag Erich Kästners heraufbeschwor. Ein trefflicher Zufall allerdings, denn just an diesem Wochenende (22.-24.2.) feiert das Erich-Kästner-Museum in Dresden sein jährliches Festival, in dessen Mittelpunkt neben Kästner dieses Mal ebenfalls das Thema Europa steht. Während Gauck im Schloss Bellevue also noch die „Perspektiven der europäischen Idee“ auslotete, gingen in der Villa Augustin am Albertplatz die Vorbereitungen für eine Ausstellung, die sich Erich Kästner als Bürger Europas vorstellt, in die letzte Runde.

Diese thematische Kabinett-Ausstellung ist die zehnte ihrer Art und bildet den Kernpunkt des Museumsfestivals. Das Motto dafür liefert jedes Jahr eines der 15 Piktogramme, die den Aufbau des Museums prägen. Dieses Mal sind es die Kästner’schen Hüte „von Baske bis Zylinder“. Was die typischen Kopfbedeckungen des Autors mit Eurokrisen und der Suche nach einer europäischen Identität zu tun haben, erklärt Andrea O’Brien, die Geschäftsführerin des Fördervereins Erich-Kästner-Museum: „Europa ist ein großes Thema des Jahres 2013. Es steht einerseits für Vielfalt, andererseits muss dabei aber auch jemand den Hut aufhaben.“

Ganz bewusst weist das Museum mit solchen übergreifenden Themen über den reinen Lebenslauf Erich Kästners hinaus. Kunst und Literatur entstehen schließlich – auch schon zu Kästners Zeiten – nie im luftleeren Raum. Historikerin Doreen Franz hat den Europa-Teil der Ausstellung konzipiert. „Unser Ziel war es, von der Aufklärung bis heute zu zeigen, was man alles mit Europa verbindet“, sagt sie. Daneben wird es auch noch einen Erich-Kästner-Teil geben, der unter anderem mit Reiseliteratur und Lyrik einen Bogen zu dem Dresdner Autor schlägt. Die beiden Kabinettsäulen der diesjährigen Ausstellung – liebevoll Louise und Lotte genannt – sind im gleichen modernen Konzept wie das Museum gehalten. Die Besucher können sich das Leben Erich Kästners dabei wie im Kaleidoskop aus kleinen Aphorismen, Büchern, Spielen, Hörspielen, Videos und Zeitungsauschnitten erschließen.

Nach der Eröffnung der Kabinett-Ausstellung am Sonnabend (23.2.) um 10 Uhr ist diese, wie schon die vorherigen, ein Jahr lang in der Villa Augustin zu sehen. Zum Museumsfestival an diesem Wochenende wird sie zudem von einer Reihe von Veranstaltungen umrahmt. So steht Erich Kästner auch bei einem literarisch-kabarettistischen Stadtspaziergang mit Theo Richtsteiger (11 Uhr) sowie bei dem literarischen Liederabend „Raus mit die Gefühle oder rin mit die Gefühle? Kästner aus Sicht der Dame“ mit Regina Felber im Mittelpunkt. Zur Sonntagsmatinee „One Day in Europe“ geht es dann am 24. Februar (11 Uhr) noch einmal auf eine Videoreise durch Europa – ganz im Sinne Gaucks also.

Linktipp: www.ekm-festival.de

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