Die Renaissance des Riesensaals

Das neue Domizil der Rüstkammer

Er ist wieder da. Nach 280 Jahren hat das Dresdner Schloss mit dem Riesensaal (Foto: PR/David Brandt) seinen ehemals wichtigsten Festraum zurückbekommen. In dem 57 Meter langen und 13 Meter breiten Saal fanden früher höfische Feierlichkeiten wie venezianische Maskenbälle oder Hochzeiten statt. Zu Zeiten Augusts des Starken war dies auch der erste Raum, den die Geladenen bei Hofe nach dem Aufstieg über die Englische Treppe im Schloss betraten, bevor sie ins Audienzgemach gelassen wurden. Seit heute (19.2.) können die Gäste hier nun wieder in die Vergangenheit eintauchen.

Wo früher herrliche Feste gefeiert wurden, empfangen heute allerdings Standbilder von Ritterkämpfen den Besucher. Hier hat die Rüstkammer, welche sich bislang in der Osthalle der Sempergalerie am Dresdner Zwinger befand, seit dieser Woche ihre neue Heimat gefunden. Gleich in der Modellszene am Eingang stehen sich zwei prachtvoll ausgestattete Ritter auf ebenso prunkvoll geschmückten Pferden gegenüber. Ihre Rüstungen, korrekter als Harnische bezeichnet, sind kunstvoll verziert, die daraus hervorquellenden Röcke penibel in gleichmäßige Falten gelegt. Federbüsche schmücken die Helme, deren Farben sorgsam mit denen der Kleidung und der Sattel abgestimmt sind. In der Hand halten die Ritter meterlange und armdicke Lanzen. Hier scheinen ferne Rittersagen aus dem Mittelalter plötzlich historische Realität zu werden – und unwillkürlich fragt man sich, mit welcher Wucht die Lanze den Gegner nur wenige Schritte weiter wohl treffen würde.

Das Ritterturnier war, so erfährt der Besucher allerdings kurz darauf, kein Duell, sondern vielmehr ein Kampfspiel unter Freunden – und die kurfürstliche Residenz Dresden gehörte einst zu den großen europäischen Schauplätzen für derlei Ritterspiele. So ist es auch zu erklären, dass die Dresdner Rüstkammer eine der weltweit kostbarsten Prunkwaffen-, Harnisch- und Kostümsammlungen beherbergt. Im Riesensaal sind insgesamt rund 380 Exponate daraus zu sehen. Drei verschiedene Turnierformen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert werden hier anhand von Modellszenen wieder lebendig. Zahlreiche Harnische, Lanzen und Schwerter zeigen zudem, dass diese Turniere damals ebenso der Repräsentation wie der Unterhaltung dienten.

Rings um die alten Harnische der sächsischen Kurfürsten schließt sich das zeitgenössische Gewand des neuen Riesensaals mit seinen klaren, aber dennoch sichtbar an das historische Vorbild angelehnten Strukturen zu einer gelungenen Symbiose. Der Dresdner Architekt Peter Kulka hat die Wiederauferstehung des ursprünglich zwischen 1548 und 1553 entstandenen, nachher mehrfach umgebauten, Festsaales seit 2006 betreut und die Konzeption des Residenzschlosses als Museum damit einen großen Schritt vorangebracht. Die riesigen Kriegergestalten, einst die Pfeiler zwischen den Fenstern zierten und dem Saal seinen Namen gaben, kommen in dieser Konzeption freilich nur noch auf Schrifttafeln vor. Und trotzdem zeigt Kulkas neuer Riesensaal aus dem Jahr 2013 einmal mehr, dass alt und modern in Dresden auch ganz elegant Hand in Hand gehen können.

Nicole Czerwinka

Linktipp: www.skd.museum/de/

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