Von der Lenamania zur aufgewärmten Showkiste

 

Eine Kolumne jenseits des Dresdner Tellerrands:

Warum Deutschland den Songcontest nicht gewinnt

Heute ist der Tag der Entscheidung! Sechs Lena-Titel ringen darum, beim diesjährigen Eurovision-Song-Contest in Düsseldorf präsentiert zu werden. Alle sechs sind nicht gerade herausragend – und auch die heutige Sendung wird wohl eher ein Wettbewerb der langen Weile werden. Dabei schien das Rezept letztes Jahr noch so einfach: Eine Brise Mädchenhaftigkeit verpackt in ein kleines Schwarzes, kombiniert mit dem irgendwie auffällig-merkwürdigen Englisch-Akzent einer gerade 19-Jährigen. So bezauberten Lena und ihr Satellitenliedchen Europa.

Benommen vom Siegestrubel – oder war es der Sekt? – quatschte ihr Mentor sie jedoch vor laufender Kamera in eine zweite Lena-für-Deutschland-Grand-Prix-Auflage hinein und hat sowohl seinem Star für Oslo als auch sich selbst damit keinen Gefallen getan. Warum? Düsseldorf ist nicht Oslo und die unschuldige Lena von damals kann heute wohl kaum noch so unschuldig daher kommen, wie als deutsche, äh europäische, Newcomerin anno 2010.

Haben die Maskenbildner sich in den letzten beiden Sendungen auch merklich bemüht, Lena zu jedem Song ein anderes Gesicht aufzusetzen, so fehlt unserer Kandidaten dieses Mal doch vor allem eines: Authentizität. Dabei hätte sich Lenas Mädchen-von-nebenan-Image vielleicht auch eine Megatournee und zahlreiche Werbeverträge später  noch einmal aufwärmen lassen, wenn sie sich etwas mehr treu geblieben wäre. Ein Mädchen im schwarzen Kleid, mit ungelenkem Tanzstil – das reichte doch! So viel anders (nur ohne Kleid) hat es Alexander Rybak für Norwegen 2009 auch nicht gemacht: schlicht ein Mann, sein Song, der Sieg.

Allenfalls bei der Präsentation von „What happend?“ war noch ein winziges Stück von jener Lena zu erkennen, die uns 2010 „12 points“ bescherte. Doch dieses Lied ist nichts, womit man punkten kann. Das Beste an dieser notdürftig aufgewärmten Erfolgsjagd ist: Wir wissen eh, dass wir erst in 20 Jahren wieder mit dem Siegen dran sind. Also lehnen wir uns zurück, denken wohlwollend an den kleinen „Satelliten“, der letztens durch die Umlaufbahn flatterte und lesen, was am Sonnabend in der Zeitung steht. Der Fernseher jedenfalls kann heute getrost ausbleiben.

Nicole Laube

„Unser Song für Deutschland“ heute (18.2.) um 20.15 Uhr in der ARD.

Linktipp: http://eurovision.ndr.de/

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