Dresdner Autoren im Gespräch über die Wende

„Erinnerungen sind der Steinbruch, in dem man arbeitet.“

Es war eine spannende Diskussion zeitgenössischer Autoren, der die Zuschauer 26. Mai im Dresdner Schauspielhaus folgen durften. Von DDR-Kultur war da die Rede, von Sprachversklavung vor und Umbrüchen nach der Wende sowie den optimalen Bedingungen der Kunst. Christoph Hein, Thomas Rosenlöcher und Uwe Tellkamp trafen beim „ZEIT Forum Kultur“ aufeinander.  Zusammen stellten sie sich den Fragen von Evelyn Finger zum Verhältnis von Ost und West und die Rolle Literatur 20 Jahre nach der Wende.

Auf unterhaltsame Weise zogen dabei vor allem Christoph Hein und Thomas Rosenlöcher eine literarische Epochenbilanz – zwischen den Feierlichkeiten zu 20 Jahren Mauerfall und Deutscher Einheit. Uwe Tellkamp schien dagegen – mit 41 Jahren der jüngste Autor auf dem Podium – eher eher eine Außenseiterrolle einzunehmen. 1989 war er gerade 22 Jahre alt, Medizinstudent und bei der Nationalen Volksarmee. Geschrieben hat der Autor, der seit 2008 mit seinem Roman „Der Turm“ sämtliche Literaturpreise abstaubte, in dieser Zeit nicht. „Meine Situation 1990 war aussichtslos“, sagte Tellkamp, der 1989 wegen Befehlsverweigerung inhaftiert und später vom Medizinstudium exmatrikuliert wurde. Diese Erfahrung sitzt tief. Der 1945 geborene Thomas Rosenlöcher und selbst ernannte „Elbwiesenpatriot“ dagegen liebt Gedankenspiele der Art „Was-wäre-wenn-die-Wende-nie-stattgefunden-hätte?“  und bekennt sich auch heute noch als einer, der ’89 zu denen gehörte, „die es noch retten wollten“, während Christoph Hein selbstbewusst gesteht, dass er – wäre die Mauer nicht gefallen – wohl genauso weiter gemacht hätte, wie vorher.

Einig waren sich dagegen alle, dass gute Kunst nicht zwangsläufig auf freie Gesellschaften angewiesen ist und dass Dichterschulen allein noch keinen guten Autor machen. Auch die Verleugnung kultureller Werte aus der DDR im geeinten Deutschland regte die drei Autoren gleichermaßen auf. Und Dresden? Allem Stolz zum Trotz übten Rosenlöcher und Tellkamp an ihrer Heimatstadt auch Kritik. „Die Liebe zu Dresden ist oft auch Dünkel“, stellte Thomas Rosenlöcher fest. Dann würde sie lächerlich und unbrauchbar. Tellkamp kritisierte die erneute Verschuldung der Stadt. „Es gibt genug Dinge, wegen denen man sich aus Protest anketten könnte. Auch heute gibt es Widerstand, meist nur weicher“, sagte er. – Zum Abschluss lasen die drei Schriftststeller jeweils einen kurzen Text aus ihrem Werk. Und wieder bestätigte sich der Verdacht: Tellkamp der Außenseiter zwischen den beiden DDR-Autoren. Diese Mischung verschiedener Generationen freilich war ebenso spannend und wie notwendig für einen gelungenen Abend.

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