Benjamin Brittens „The turn of the screw“

Dresdner Studenten inszenieren Oper am Kleinen Haus

Einmal im Jahr machen die Dresdner Hochschulen für Musik und Bildende Künste bei einer Operninszenierung am Kleinen Haus gemeinsame Sache. Die Musikhochschule ist dabei für Regie, Gesang und Orchester verantwortlich, die Kunsthochschule gestaltet die Bühne, Kostüme und Maske. Das Kleine Haus stellt den Studenten ein professionelles Ensemble von Bühnen- und Lichttechnikern zur Verfügung. So wurde die jugendlich frische Opernproduktion in den vergangenen Jahren schon mehrfach zu einem Glanzstück im Dresdner Theaterspielplan.

In diesem Jahr haben sich die Studenten mit Benjamin Brittens Geisteroper „The Turn of the Screw“ ein selten gespieltes Stück neueren Datums gesucht. Es geht darin um eine Gouvernante, die sich um zwei verweiste Kinder in einem einsamen Landhaus kümmern soll. Als sie ihren Dienst antritt, beginnt ein mysteriöses Spiel. Plötzlich nimmt die Frau zwei Geistererscheinungen wahr und fürchtet um die Kinder. „Alles ist offen, niemand weiß, ob auch die Kinder die Geister sehen und wie dies passiert“, erzählt Lea Maud-Charlott Klein, die Bühnen- und Kostümbild an der Kunsthochschule studiert und im Rahmen ihrer Diplomarbeit auch das Bühnenbild und die Kostüme für die diesjährige Hochschulproduktion gestaltet hat.

Die literarische Vorlage für Brittens Oper war ein Roman von Henry James, mit dem sich die Studenten im Vorfeld der Inszenierung eingehend beschäftigt haben. „Wir wollten dem Zuschauer aber keine Deutung vorgeben, da der Interpretationsspielraum unheimlich groß ist“, sagt Lea Klein. Auch sie hat sich für Bühne- und Kostümbild genau in das Sujet eingelesen. Seit  Oktober beschäftigt sie sich mit dem Stück, im November hatte das Bühnenbild dann erstmals Bauprobe. Entstanden ist dabei ein universaler Raum, der von vielen Treppen ausgefüllt ist. „Er kann Diele, Wohnzimmer, Rathaus oder Postamt sein“, sagt Lea Klein. Wichtig war ihr, eine Spannung zwischen Enge und Freiheit aufzubauen und den Sängern genug Möglichkeiten zur stimmlichen Entfaltung zu lassen.

Danach ging es für Lea Klein an die Konzeption der Kostüme. Die hat sie im Stil der Jahrhundertwende und mit viel Liebe zum Detail entworfen. Bei den Kostümproben brauchte es aber viel Einfühlungsvermögen. Rund eine Stunde müssen die Sänger dabei oft vor dem Spiegel stehen. Zur Stärkung bringt Lea Klein ihnen daher immer etwas Schokolade mit. „Ich sehe ganz schnell in den Gesichtern, ob mit dem Kostüm etwas nicht stimmt“, sagt sie. In ein paar Handgriffen ist das meist behoben – ein Gürtel enger, ein Ärmel kürzer, da und dort fehlt noch ein Knopf. „Wenn die Sänger dann plötzlich lächeln, weiß ich: Okay!“ Mit dem vorhandenen Budget für Bühne und Kostüm, Material und Stoffe musste Lea Klein selbst kalkulieren. Auch das gehört zur Aufgabe der Bühnen- und Kostümbildnerin.

Inzwischen ist die Hauptprobe gelaufen, am 12. Mai ist Premiere im Kleinen Haus Dresden. Anschließend wird das Stück noch sieben Mal zu sehen sein.

Benjamin Britten, „The Turn of the Screw“ am 12., 15., 22., 27. Mai jeweils 19.30Uhr am Kleinen Haus in Dresden

Infos zu Karten u. Bestellung: www.staatsschauspiel-dresden.de

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